TIM FISCHER - telefoninterview am 26.03.09 Fotocredit: Foto: © Jim Rakete

people imageAm 4. April gastiert Tim Fischer wieder einmal am Casinotheater in Winterthur. Wir haben mit ihm im Vorfeld gesprochen.

gay.ch: Was verbindet dich zum Casinotheater, dass du immer wieder zurückkehrst?
Tim Fischer: Ich habe mich sofort in den Casinotheater verliebt. Nicht nur wegen dem Saal, auch das Restaurant ist schön. Da kann man gut essen und feine Cocktails trinken. Und natürlich verbindet mich auch meine Freundschaft zum Direktor Paul Burkhalter.

In deinem aktuellen Programm "Gnadelose Abrechnung" reduzierst du alles um dich herum: Keine Kostüme, keine Band, keine Lichteffekte, nur du und Rüdiger Mühleisen am Klavier. Was hat dich bewegt, das Ganze mal "nackt" anzugehen?
Die Lieder, die ich von Georg Kreisler interpretiere sind an sich schon so ausdrucksvoll, dass sie keine weitere Verpackung brauchen. Sie sind wahre, geschliffene Diamanten und klingen bereits leuchtend von sich heraus.

Es gibt Journalisten, die dich als Georg Kreisler-Nachfolger sehen...

George Kreisler an sich ist ein Gesamtkunstwerk den man nicht kopieren kann. Ich bin happy, dass ich ihn seit 13 Jahren kennen und mit ihm zusammenarbeiten darf. Ich bin nicht an einem Plagiat interessiert. Wichtiger finde ich, dass ich die Chance bekomme habe, seine Lieder auf der Bühne weiterleben zu lassen, da er nicht mehr auftritt.

Anhand der Lieder könnte man denken, dass du ein tiefgründiger und nachdenklicher Mensch bist. Stimmt das?

Ich bin genau so tiefgründig und nachdenklich, wie humorvoll und lustig. Im Leben braucht man beide Seiten, sonst wäre es ja langweilig. Es wäre einseitig wenn man einstieg wäre. Es wäre langweilig wenn man die ganze Zeit nur herumgackern würde oder aber nur in sich gekehrt durch die Welt gehen würde. Abwechslung macht bekanntlich das Leben süss. Auch auf der Bühne ist Abwechslung wichtig.

Du schlüpfst immer wieder in neue Rollen, auch androgyne. Im neuen Programm wirkst du aber schon fast bieder!

Wenn man jung und schlank ist, dann kann man leicht eine sexy Diva spielen... (lacht) Für das neue Programm habe ich mich von Georg beraten lassen und es war schnell einmal klar, dass die neue Rolle einem Bankdirektor ähneln sollte, es sollte ein spiessiger Typ sein - das passt zu jemanden, der abrechnet. Aber man weiss ja nie, vielleicht steht ich irgendwann bald wieder als Diva auf der Bühne.

Du könntest ja mit der Uschi Blum ein Duett machen...

(lacht) Ja, wieso nicht.

Wie läufst du den privat herum?

Persönlich gibt es bei mir im Punkt Kleider nicht so viel Abwechslung, da hab ich auf der Bühne ja genug davon. Privat hab ich das auch nicht nötig, wenn man bedenkt, dass ich die Hälfte meines Lebens auf der Bühne stehe und immer wieder andere Klamotten anhabe.

Du hast vor etwas mehr als einem Jahr deinen Freund geheiratet, und du lebst auch sonst offen schwul. Gerade in Berlin, aber auch an anderen Orten, hat die Homophobie in letzter Zeit stark zugenommen - spürst du das auch?
Na ja, ich lebe in einer Metropole... Aber es gibt immer überall Menschen, die die Welt lieber eintönig hätten, auch wenn sie nicht verhindern können, dass es nicht so ist. Die haben dem Kampf schon längst verloren. Das betrifft nicht nur ihre Einstellung gegenüber der Homosexualität, sondern auch bei der Ausländerfeindlichkeit und so. Ich bin lieber mit kultivierten Menschen zusammen und die wissen, dass man einen Mensch - und nicht ein Geschlechtsteil - liebt.

Hörst du privat auch die Lieder, die du singst?

Irgendwann muss man sich erholen. Ich liebe zwar Chansons über alles, aber auch ich brauche mal Abstand davon. Mein I-Pod überquillt an Songs aus dem Genre Jazz und Klassik. Zur Zeit höre ich sehr oft die CD "All the way" von Jimmy Scott - einfach wunderschön.

Könntest du dir vorstellen eine Electro-Pop-CD aufzunehmen?

Selbstverständlich, sicher, ja! Mein Publikum ist ja gut darauf vorbereitet, dass jederzeit etwas Neues kommen kann. Im Grunde kann ich mich vorstellen fast alles zu machen, wichtig ist, dass es nicht langweilig und eintönig ist. Moderne Musik empfinde ich oft als langweilig. Die Sachen, die Michael von der Heide mit seiner Band macht, mag ich sehr gut. Ich liebe es, wenn Künstler ihre Musik live spielen und singen. Wenn jemand an einem Madonna Konzert geht, dann spricht er danach nicht über ihre Stimme, sondern über die knackigen Tänzer.

Steht demnächst wieder ein Kino-Film auf dem Plan?

Leider nicht, nein. Ich habe zwar eine Mini-Rolle angeboten bekommen, ich weiss aber nicht, ob zeitlich dazu komme. Ich könnte mich mal diesbezüglich in der Schweiz umsehen. Die zwei Brüder, die beim Film "Snow White" gespielt haben, die waren ja Klasse! Mit ihnen würde ich sofort einen Film drehen.

Dann schreibe ich das im Interview, vielleicht melden die sich ja mal.

(lacht) Mach das.