|
Am
4. April gastiert Tim Fischer wieder einmal am Casinotheater in
Winterthur. Wir haben mit ihm im Vorfeld gesprochen.
gay.ch: Was verbindet dich zum Casinotheater, dass du
immer wieder zurückkehrst?
Tim Fischer: Ich habe mich sofort in den Casinotheater verliebt.
Nicht nur wegen dem Saal, auch das Restaurant ist schön. Da
kann man gut essen und feine Cocktails trinken. Und natürlich
verbindet mich auch meine Freundschaft zum Direktor Paul
Burkhalter.
In deinem aktuellen Programm "Gnadelose
Abrechnung" reduzierst du alles um dich herum: Keine
Kostüme, keine Band, keine Lichteffekte, nur du und
Rüdiger Mühleisen am Klavier. Was hat dich bewegt, das
Ganze mal "nackt" anzugehen?
Die Lieder, die ich von Georg Kreisler interpretiere sind an sich
schon so ausdrucksvoll, dass sie keine weitere Verpackung
brauchen. Sie sind wahre, geschliffene Diamanten und klingen
bereits leuchtend von sich heraus.
Es gibt Journalisten, die dich als Georg Kreisler-Nachfolger
sehen...
George Kreisler an sich ist ein Gesamtkunstwerk den man nicht
kopieren kann. Ich bin happy, dass ich ihn seit 13 Jahren kennen
und mit ihm zusammenarbeiten darf. Ich bin nicht an einem Plagiat
interessiert. Wichtiger finde ich, dass ich die Chance bekomme
habe, seine Lieder auf der Bühne weiterleben zu lassen, da er
nicht mehr auftritt.
Anhand der Lieder könnte man denken, dass du ein
tiefgründiger und nachdenklicher Mensch bist. Stimmt das?
Ich bin genau so tiefgründig und nachdenklich, wie humorvoll
und lustig. Im Leben braucht man beide Seiten, sonst wäre es
ja langweilig. Es wäre einseitig wenn man einstieg wäre.
Es wäre langweilig wenn man die ganze Zeit nur herumgackern
würde oder aber nur in sich gekehrt durch die Welt gehen
würde. Abwechslung macht bekanntlich das Leben süss.
Auch auf der Bühne ist Abwechslung wichtig.
Du schlüpfst immer wieder in neue Rollen, auch androgyne. Im
neuen Programm wirkst du aber schon fast bieder!
Wenn man jung und schlank ist, dann kann man leicht eine sexy Diva
spielen... (lacht) Für das neue Programm habe ich mich von
Georg beraten lassen und es war schnell einmal klar, dass die neue
Rolle einem Bankdirektor ähneln sollte, es sollte ein
spiessiger Typ sein - das passt zu jemanden, der abrechnet. Aber
man weiss ja nie, vielleicht steht ich irgendwann bald wieder als
Diva auf der Bühne.
Du könntest ja mit der Uschi Blum ein Duett machen...
(lacht) Ja, wieso nicht.
Wie läufst du den privat herum?
Persönlich gibt es bei mir im Punkt Kleider nicht so viel
Abwechslung, da hab ich auf der Bühne ja genug davon. Privat
hab ich das auch nicht nötig, wenn man bedenkt, dass ich die
Hälfte meines Lebens auf der Bühne stehe und immer
wieder andere Klamotten anhabe.
Du hast vor etwas mehr als einem Jahr deinen Freund
geheiratet, und du lebst auch sonst offen schwul. Gerade in
Berlin, aber auch an anderen Orten, hat die Homophobie in letzter
Zeit stark zugenommen - spürst du das auch?
Na ja, ich lebe in einer Metropole... Aber es gibt immer
überall Menschen, die die Welt lieber eintönig
hätten, auch wenn sie nicht verhindern können, dass es
nicht so ist. Die haben dem Kampf schon längst verloren. Das
betrifft nicht nur ihre Einstellung gegenüber der
Homosexualität, sondern auch bei der
Ausländerfeindlichkeit und so. Ich bin lieber mit
kultivierten Menschen zusammen und die wissen, dass man einen
Mensch - und nicht ein Geschlechtsteil - liebt.
Hörst du privat auch die Lieder, die du singst?
Irgendwann muss man sich erholen. Ich liebe zwar Chansons
über alles, aber auch ich brauche mal Abstand davon. Mein
I-Pod überquillt an Songs aus dem Genre Jazz und Klassik. Zur
Zeit höre ich sehr oft die CD "All the way" von
Jimmy Scott - einfach wunderschön.
Könntest du dir vorstellen eine Electro-Pop-CD aufzunehmen?
Selbstverständlich, sicher, ja! Mein Publikum ist ja gut
darauf vorbereitet, dass jederzeit etwas Neues kommen kann. Im
Grunde kann ich mich vorstellen fast alles zu machen, wichtig ist,
dass es nicht langweilig und eintönig ist. Moderne Musik
empfinde ich oft als langweilig. Die Sachen, die Michael von der
Heide mit seiner Band macht, mag ich sehr gut. Ich liebe es, wenn
Künstler ihre Musik live spielen und singen. Wenn jemand an
einem Madonna Konzert geht, dann spricht er danach nicht über
ihre Stimme, sondern über die knackigen Tänzer.
Steht demnächst wieder ein Kino-Film auf dem Plan?
Leider nicht, nein. Ich habe zwar eine Mini-Rolle angeboten
bekommen, ich weiss aber nicht, ob zeitlich dazu komme. Ich
könnte mich mal diesbezüglich in der Schweiz umsehen.
Die zwei Brüder, die beim Film "Snow White"
gespielt haben, die waren ja Klasse! Mit ihnen würde ich
sofort einen Film drehen.
Dann schreibe ich das im Interview, vielleicht melden die sich ja
mal.
(lacht) Mach das.
|