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(09.02.10/lp) Opernsängerin und Lebemensch: Wir haben das
Ausnahmetalent treffen und interviewen dürfen.
Auf der Promo-Tour zu ihrer neuen CD "colori d'amore"
machte sie einen Abstecher nach Zürich. Eine lebendige und spontane
Begegnung mit Simone Kermes.
Du wirst ab und zu als eine crazy Barock-Persönlichkeit
gehandelt...
Ich bin keine "crazy Queen" oder so ein Quatsch... Ich sage
einfach was ich denke, ich drücke das aus, was mich im Moment
bewegt. Ich bin so!... Und mach da nicht auf irgendwas...
Ausserdem inspiriert mich Pop sehr - ich höre zu Hause selten
Klassik. Barock ist gar nicht so weit entfernt von Pop, so vom
Rhythmus und von der Art her - und das kann ich im Barock auch
ausleben, weil ich eben nicht Popsängerin bin.... (lacht)!
In der Klassik bin ich eingeschränkt, im Barock nicht.
Nehmen wir an, du hättest eine Pop-CD aufgenommen, die
jetzt auf dem Markt wäre... Welche aktuelle CD wäre es dann?
Du meinst so aktuelle Musik wie Lady Gaga?
Ja.
Lady Gaga find ich nicht schlecht... Aber... Oh, das fällt
mir ja ein, ich hätte ja für den Alexander McQueen an einer
Modenschau auftreten sollen, aber leider hat er sich ja
aufgehängt. Er hätte mir auch ein Kleid gemacht... Aber für die
Gaga hat er auch schon Kleider gemacht, und für Björk. Björk
find ich toll, und Sigur Ros. Diese isländische Musik, diese
Sphäre, das mag ich total. Auch Lamb und Portishead...
Zurück zu Thema "crazy": Du hast bestimmt auch eine ruhigere,
sanfte Seite...
Ja. Eigentlich bin ich im Innern ein sehr melancholischer
Mensch. Ich werde oft gefragt, ob ich immer gut drauf sein muss,
um gewisse Sachen zu performen, dabei ist genau das Gegenteil
der Fall. Wenn es dir gut geht, dann hast du nicht diese
Emotion, wie wenn man Liebeskummer hat...
So nach dem Motto "Die besten Lieder werden mit einem gebrochen
Herzen geschrieben"...
Ja... Ist doch so, oder? Es hat doch so viel im Leben mit
der Liebe zu tun. Ich denke für einen Menschen, am Ende des
Lebens... So das, was er reflektiert: Dass es da doch
schliesslich um die Liebe geht. Ein Mensch will doch geliebt
werden. Manche mögen das nicht auf den ersten Blick so sehen: Für sie
ist Kohle, oder im Showbiz der Erfolg, wichtig. Aber so im Innern,
da geht es doch letztendlich dann doch um die Liebe.
Hast du ein Übungsraum?
Wir haben da in unserer Wohnung ein Raum mit einem
Keyboard, so ein modernes, praktisches Roland, denn ich bin ja
nicht eine sehr begabte Klavierspielerin. Da kann ich am besten
arbeiten. Wenn ich, wie jetzt, unterwegs bin, ist es kaum
möglich zu üben. Zu Hause fühle ich mich wohl, da geht es am besten,
gerade wenn ich an neuen Stücken arbeite. Ja, dann muss alles
sitzen - all diese Noten, von vorne bis hinten (lacht)!
Wann war der Moment, als du dich für Klassik entschieden hast,
den ich hab gelesen, dass bei dir im Grunde Popsängerin zuerst im
Vordergrund stand...
Als Kind wollt ich Popsängerin werden, aber dann: Mit fünf
hab ich eines Nachts geträumt, dass ich Opernsängerin bin. Ganz
furchtbar, das war ein Albtraum. Ich hab das in diesem Alter
nicht verstanden und dann hab ich das meinem Vater erzählt: Von
diesen Samtvorhänge, von dieser Bühne...
Aber ist schon komisch, dass das alles wahr geworden ist.
Obwohl: Ich hab ja zuerst noch Sekretärin gelernt. Dann war noch
die schwierige Pubertät - und ich war nicht auf der richtigen Spur.
Und... ich bin froh hab ich damals im Osten gelebt. Ich hatte
eine super Ausbildung, das ist heute nicht mehr so. Damals hab
ich es nicht verstanden, weshalb ich im Osten geboren bin. Und
dann war ich nicht auf der richtigen Spur, ich wurde sehr früh
Mutter und verheiratet... Ganz furchtbar, ehrlich! Ich war noch
jung, aber ich habe dadurch sehr viel gelernt.
Mein Vater ist sehr früh gestorben, da war ich zwölf. Es
ist schon traurig dass er das alles nicht mehr erleben durfte.
Er hat mir so viel bedeutet und er war so stolz auf mich...
Meine Mutter ist Ende 1997 gestorben. Manchmal denke ich an sie,
wenn ich in einem Flugzeug sitze, das hat sie ja auch nie erlebt
- sie wollte ja schon immer mal fliegen, da denke ich immer
wieder daran - und wenn ich in irgendeiner Stadt bin sag ich mir
manchmal, dass ich ihnen jetzt eine Postkarte schreiben
könnte...
Was sagst du zum Begriff "Operndiva"?
Ich finde es ein altmodisches Wort... Viele Leute sagen
immer "Diva!": Die brauchen so eine Führung, so eine Statue
-
irgendwie... Auf die sie heraufschauen können. Ich sage immer, ich
fühle mich nicht so, und dann sagen die: "Du bist eine" (lacht)!
Keine Ahnung, vielleicht weil ich dies mache und das nicht...
Kannst du auch ein jüngeres Publikum für Klassik begeistern?
Ich denke schon. Wenn du nicht nur beim Barock... Also auch
bei Mozart... Wenn du das gut, frisch, ehrlich und mit Pep
machst, dann geht das. Wobei bei Mozart stellt sich heraus, wer
die Technik beherrscht. Mozart ist so nackt. Bei Mozart hörst du
alles, da hörst du jeden Scheiss. Du kannst da nicht schleifen
und ausschlagen oder so. Bei Belcanto kannst du das, gesangsmässig - bei Mozart kannst du das nicht:
Da muss alles
stimmen, schlicht und schön. Manchmal frag ich mich, wieso ich
diesen Quatsch mache (lacht).
Aber ist es nicht erstaunlich, dass Klassik all diese Jahre
überlebt hat?
Das liegt an der Qualität - und an der Interpretation. Man
muss aber auch sagen, dass Mozart nach dem Barock etwas
hinbekommen hat, das vorher nicht da war. Er hat Menschen,
wirkliche Menschen und deren Beziehungsgeschichten auf die
Bühne gebracht. Und die kannst du genauso auf die heutige Zeit
transferieren.
Es sind die selben Gefühle! Da geht es nicht um Götter und
Sonstiges, da geht es wirklich um Menschen und deren
Beziehungen. Und er hat das mit der Musik unglaublich gut
verbinden können. Es ist sehr schwer einzelne Stücke davon
zu isolieren - die funktionieren am besten zusammen. Die haben
sonst nicht mehr die gleiche Wirkung. Das ist Mozart.
Könntest du dir ein Duett mit Montserrat Caballet vorstellen?
Ich möchte dazu nicht zu viel sagen, ausser dass es da eine
Verbindung gibt... Ich bin ihr noch nie begegnet und ich kann
auch nicht beurteilen, ob so etwas überhaupt in Frage kommen
könnte, aus verschiedenen Aspekte...
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