REBEKKA BAKKEN
interview in zürich
REBEKKA BAKKEN "Is That You"
Chillout mit Power: Geht das? Bei Rebekka Bakken sehr gut sogar. Sie ist nicht nur eine grossartige Sängerin sondern auch eine begnadigte Songwriterin. Eigenwillig und gekonnt spielt sie mit Jazz, Folk, Pop, Rock und Country. Dass sie sich auch an orientalische Klänge heranwagt, macht schliesslich alles noch viel interessanter. Manchmal wirken ihre Songs sogar etwas meditativ.

Auf jeden Fall hat es die Dame voll im Griff. Die Lieder sind spannend aufgebaut. Sie schaffte es immer wieder in der Mitte eines Songs unerwartete Elemente und Melodien einzubauen. Ihre Stimme ist himmlisch, ihr Umgang mit Dynamik bezaubernd und stets differenziert. Dass die Norwegerin Amerika den Rücken gekehrt und sich in Wien niedergelassen hat, bekommt ihr gut. Man hört eine gewisse Gelassenheit heraus. Sie schwebt zwischen einem musikalischen Zauber und persönliche Spiritualität.

"Is That You" ist einer dieser CDs, die man immer wieder hören muss und gerne den charakteristischen Texte zuhört und darüber nachdenkt.


(15.02.05/lp) Rebekka Bakken verschmelzt Jazz, Folk und andere Stilrichtungen zu einer exquisiten Mischung. Wir haben die Norwegerin getroffen.

Man merkt schnell: Rebekka ist eine starke Persönlichkeit. Sie strahlt Kraft aus und versprüht den Charme einer bodenständigen Diva.

In einem deiner neuen Songs fragst du dich, wo die guten Männer alle hin sind. Hast du schon eine Antwort auf diese Frage gefunden?
Ja, ja... Wo sind die guten Männer alle hin? Zu den Drachen. Mein Vater zum Beispiel. Er ist so ein lieber Kerl. Aber meine Mutter ist ein richtiger Drachen. Ausserdem, schau mal auf die Strasse. Wie viele schöne Männer haben unattraktive, schreckliche Frauen?

Singst du lieber vor einem grossen oder einem kleinen Publikum?
Wenn mehr Leute da sind, macht es auch mehr Spass. Es ist elektrisierend. Bei einer kleinen Menge Leute ist etwas intimer. Im mag eigentlich beides. Aber vor einem grossen Publikum zu singen, das ist schon ein schöneres Erlebnis. Mehr Leute, mehr Energie. 

Von Künstler aus Norwegen hört man nicht so viel, wie zum Beispiel von Musiker aus Schweden...

Das heisst nicht, dass es da weniger gute Musiker gibt. Man kennt ja zum Beispiel auch die Gruppe A-ha auf dem internationalen Niveau. Die Musikindustrie als solches in Schweden ist einfach stärker.

Hast du deshalb dein neues Album in Schweden aufgenommen?

Nein. Ich gehe einfach dorthin, wo es mir passt oder wo meine Leute sind. Ich wähle nicht. Ich mache einfach.

Dein Song "So Ro" klingt asiatisch, doch du singt auf norwegisch. Über was singst du?

Ist interessant, dass du diesen Song ansprichst! Es war einer der ersten Songs, die ich überhaupt geschrieben habe. Eigentlich war es nicht gedacht, dass es asiatisch klingen soll. Es ist einfach passiert. Ich habe diesen Track geschrieben, als ich nicht einschlafen konnte. Man kann also sagen, dass es ein Schlaflied ist.

Du schreibst viele spirituelle Texte. Hat das auch etwas mit Religion zu tun? Das heisst, hat Gott oder Buddha oder sonst etwas einen Einfluss auf dich?

Spiritualität kommt nicht von aussen sondern von innen. Es geht nicht darum, nach etwas zu suchen, sondern etwas in sich fliessen zu lassen. Damit man sich selber und seine eigene Natur besser kennt.

Gibt es jemand, mit dem du gerne mal ein Duett singen möchtest?

(Überlegt....) Peter Gabriel zum Beispiel... (überlegt) Es gibt so viele. Ich kann diese Frage spontaner antworten, wenn ich sie gerade singen hören würde...

Deine Songs sind eher langsam. Kannst du dir vorstellen, auch mal ein paar schnellere Tracks in der nahen Zukunft aufzunehmen?

Live klingt meine Musik anders, weisst du. Da gehe ich viel mehr in dieser Richtung. Es hat alles mehr Power...

Welche Musik hörst du privat?

Ich höre fast keine Musik. Nicht mal meine eigene. Wenn ich Lust auf Musik habe, dann gehe ich zum Klavier und komponiere am liebsten gleich neue Songs...