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(09.11.2011/lp
/ Foto: Gina Folly) Sie waren letztes Jahr am Eurovision für die Schweiz dabei: Anna Rossinelli. Ihr Debüt Album ist nun da.
Wir haben mit dem Trio gesprochen.
Sechs lange Jahre hat es gebraucht, bis die Schweiz wieder
einmal im Eurovision-Finale stand. Anna Rossinelli haben dies
endlich wieder geschafft. Wir haben mit ihnen nicht nur über diesen
Tag gesprochen, sondern auch über ihr Album "Bon Voyage", und
über andere Sachen...
War der Auftritt zum diesjährigen Pride-Auftakt der erste Gig an
einer Gay-Veranstaltung?
Anna: In der Schweiz schon…
Georg: Wir hatten davor in England bereits einen Auftritt an
einer Gay-Party
Ist es mit der Zeit nicht ermüdend, immer wieder von
Journalisten auf das Thema Eurovision angesprochen zu werden?
Manuel: Wir erinnern uns ja auch gerne zurück… Aber momentan
geht es bei den Fragen auch um das Album und um unsere Zukunft.
Anna: Inzwischen haben wir auch einen Abstand, und da spricht
man wieder gerne darüber. Zu dieser Zeit war es dann schon
anstrengend immer das gleiche gefragt zu werden. Da hat man sich
gefragt, ob man die Fragen überhaupt noch „frisch“ beantworten
kann.
Gregor: Und so das ganze „Mitleid“, dass wir letzte geworden
sind… Ich meine, unser Ziel war es ja ins Finale zu kommen und das
haben wir geschafft, doch das trat plötzlich in den Hintergrund.
Habt ihr bei der Schweizer Vorausscheidung Favoriten?
Manuel: Der Song von Guillermo Sorya gefällt mir sehr und bei I
Quattro hab ich das Gefühl, dass sie noch gute Chancen haben
könnten, auch wenn die Stilrichung nicht unbedingt mein
Musikgeschmack ist.
Gregor: Ich kenne alle 14 Songs noch zu wenig, um ein
definitives Urteil abgeben zu können.
Anna: Das geht mir genau so. Ich habe bisher nur einzelne Songs
gehört…
Und es macht auch einen Unterschied, wenn man die Stücke dann
wirklich live hört, ob jemand in diesem Stress dann auch gut performt oder nicht, wie das Gesicht im Fernsehen herüber kommt
und so. Es sind schon viele Aspekte, welche eine Rolle spielen
und ich möchte erst dann mein Urteil fällen.
Manuel: Ja, das stimmt, ich glaube, ich war da ein bisschen
vorschnell. Wenn ich zurück überlege: Die Version von unserem
Song war damals auf dem SF-Videoportal auch eine andere, als
die, die wir vorgetragen haben. Das könnte ja bei dem einen oder
anderen Beitrag von diesem Jahr ja auch der Fall sein.
Im News-Ticker vom Tagesanzeiger wurde damals geschrieben, dass
du beim Finale nervöser wirkst und den einen oder anderen Ton
verhauen hast. Warst beim zweiten Auftritt in dem Fall wirklich
nervöser?
Anna: Das ist im Nachhinein noch schwierig zum Beurteilen, aber
ich hab in Erinnerung, dass ich den zweiten Auftritt als den
besseren empfunden habe…
Gregor: Ich auch!
Anna: Ich fühlte mich sicherer… Aber die eigenen Empfindungen
können ja anders sein, als die der anderen. Na ja, nervös war
ich bei beiden Auftritte (lacht). Aber der Kick, ins Finale
gekommen zu sein und die Tatsache, dass man schon mal auf dieser
Bühne gestanden ist, gab dann schon etwas mehr Sicherheit,
als beim ersten Mal.
Weshalb ist „In Love For A While“ eigentlich nicht auf dem neuen
Album?
Anna: Alle, die den Song toll finden, haben ihn ja bereits. Und
es ist auch schon eine Weile her und in der Zwischenzeit ist
auch viel passiert. Wir wollten damit sicher niemand verärgern…
Für uns ist das so etwas wie ein neuer Start, die Reise geht für
uns jetzt weiter, jetzt kommt etwas Neues.
Manuel: Ja und der Song gab es auch schon physisch…
Anna: Stimmt, was für eine Single ja nicht selbstverständlich
ist.
Gregor: Das Album ist neues Songmaterial, wie aus einem Guss.
Ich habe bei zwei Songs im Text „Strawberry Cream“ gehört…
Anna: Ich finde „Strawberry Cream“ ein cooles Wort. Und im
Refrain sollte man möglichst catchy Wörter einsetzten und „Strawberry
Cream“ ist ein Wort, das jeder versteht. Und bei einem Song geht
es um das Unbeschwerte und Glace schlürfen gehört doch dazu… Ja,
ich stelle mir vor, wie jemand auf einer Wiese liegt, Musik hört
und Glace isst (lacht). Und beim anderen Song geht es darum: Seit
der Typ weg ist, schmeckt alles nach Erdbeercreme. Das muss man
jetzt aber nicht unbedingt beim Wort nehmen, es soll mehr eine
Assoziation sein.
Wie kann man sich das vorstellen… Wie schreibt ihr eure Songs?
Macht ihr Jam-Sessions oder kommt jemand mit einer konkreten
Idee?
Anna: Das ist ganz unterschiedlich. Wie du sagst, kann das mal
eine Jam-Session sein, aber es kann auch einfach so passieren.
Kürzlich sind wir wegen etwas anderem zusammen gekommen und dann
hatte aber Manuel eine musikalische Idee dabei und dann haben
wir etwas ausprobiert… Manchmal steht die Strophe schon, aber es
gibt noch keine Idee für den Refrain, also tut man den Song mal
vorerst auf die Seite. Also… Wir haben schon eher länger an den
Tracks, wir sind da schon eher die Tüftler.
Gregor: Wenn wir uns bewusst hinsetzen und sagen, jetzt muss ein
Song her, dann klappt es nicht, dann kommen die Ideen nicht.
Ihr spielt ja immer noch auf der Strasse, dabei wart ihr vor
einem Millionenpublikum aufgetreten…
Anna: Wir sind ja nicht 365 Tage im Fernsehen, da kann man
zwischendurch ruhig auf der Strasse spielen (lacht).
Manuel: Und das macht auch Spass, auf der Strasse zu spielen… Es
gibt auch kein Grund, wieso wir das nicht weiterhin machen
sollten.
Wie ist es zum Deal mit Universal Music gekommen?
Gregor: Wir hatten mit verschiedenen Firmen gesprochen und mit
Universal konnte wir uns am besten einigen.
Anna, über dich stand ja kürzlich in der Presse, dass du nie
zwei Mal zum gleichen Coiffeur gehst. Ist es nicht eigenartig,
wenn du dann solche Sachen über dich in der Presse liest?
Anna: Man gewöhnt sich dran… Ich versuche immer die Fragen offen
und ehrlich zu beantworten, aber ich bin sicher nicht jemand, der
sich da aufdrängt…
Gregor: Es hat ja alles seine Grenzen…
Anna: Ja genau und ich möchte auch nicht, dass jeder zu mir nach
Hause kommt und eine Homestory macht. Ich weiss wo mein Bett
steht, aber das muss nicht die ganze Schweiz wissen.
Wie ist das für euch, Jungs, Anna ist ja die Vorderfrau und
steht dem entsprechend auch öfters im Vordergrund…
Manuel: Ich find das gut! Man ist trotzdem dabei…
Anna: Und ich mach die Arbeit!
Gregor: Aber das ist doch immer so, dass jemand im Vordergrund
steht und es war schon immer so, dass Anna immer mehr im
Mittelpunkt gestanden ist. Man geht ja eher auf sie zu und sagt:
„Du hast super gesungen“, als das man zu uns kommt und sagt:
„Ihr habt super gespielt“…
Wieso hat ihr eigentlich keinen Bandnamen?
Gregor: Wir haben uns mit ihrem Namen angemeldet, und als wir
auf der Bühne gestanden waren, war es dann zu spät…
Anna: Uns ist auch nicht wirklich ein guter Bandnamen
eingefallen…
Gregor: Darf ich vorstellen? Er (zeigt auf Manuel) ist der Rossi
und ich bin der Nelli!
(alle lachen)
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