ANNETT LOUISAN
interview am 03.11.08 in zürich

(13.11.08/lp) Annett Louisan ist gerade auf Promo-Tour und wir haben uns in Zürich, in den Räumlichkeiten der Plattenfirma, getroffen.



gay.ch: Hallo Annett, schön dich wieder zu sehen. Wie geht es?
Annett: Oooh... wenn ich ganz ehrlich bin: Ich habe gestern ein bisschen zu tief ins Glas geschaut. Da hätten wir ihn schon, das Klischee...

gay.ch: Das alles wäre nicht passiert... Der Prosecco-Song lässt grüssen...

Annett: Wir sind gestern spät angekommen und es war schon dunkel, da sind wir ins Hotel gefahren... Ja, ja und heute sitze ich hier den ganzen Tag und am Abend flieg ich schon wieder weiter nach Wien.

gay.ch: Beim letzten Interview hast du gesagt, dass du dein Privatleben so gut wie möglich aus den Medien halten möchtest, aber die Meldung um die Trennung von deinem Mann konntest du wohl nicht so gut "geheim" halten...
Annett: Mir blieb gar nichts anderes, als die Flucht nach vorne zu ergreifen und eine Medienmitteilung zu machen, bevor irgendwelche Sachen geschrieben werden. Das war für mich schon eigenartig, das so "offiziell" zu machen, doch ich habe mir gesagt: Eine Klarstellung und dann ist das Thema vom Tisch. Wenn man so persönliche Musik schreibt wie ich, dann ist es nie einfach das Privatleben auszuklammern. Überhaupt, ich bin überrascht, wie viele Leute sich manchmal von meinen Texten provoziert fühlen, weil ich das gar nicht bewusst mache. Da sind Leute aus zwei Extremen: Die Emanzen und die "Bünzli"-Frauen. Man hat mir sogar vorgeworfen pervers zu sein... Ja sogar Pädophilie hat mir schon angehängt... Ich sei stillos und humorlos (lacht).

gay.ch: Aber... scheinbar bist du sogar neu verliebt!

Annett: Ja und weil er auch Musiker ist, kann ich ihn, im Gegensatz zu meinem Ex, nicht gut den Medien vorenthalten.

gay.ch: Wie heisst er denn?

Annett: Martin Gallop. Er war mit uns auf Tournee und da haben wir uns kennengelernt...

gay.ch: Es ist nicht viel Zeit verstrichen, seit deinem letzten Album...

Annett: Ich bin halt ehrgeizig! Aber wenn man bedenkt, dass die Beatles zu ihrer besten Zeit sogar innerhalb von 6 Monaten neue Platten herausgebracht haben, dann ist meine Zeitspanne nichts dagegen (lacht).

gay.ch: Ich habe mich gefragt, ob du dich vielleicht in die Musik "gestürzt" hast, wegen dem Trennungsprozess...
Annett: Natürlich, das hat auch eine Rolle gespielt...

gay.ch: Und dann hast du ja auch eine neue Haarfarbe

Annett: Ich wollte einfach die alten Zöpfe ab haben. Weg mit der Blondine, fertig blondieren. Als ich das gemacht habe, habe ich mich gefragt, wieso ich das nicht schön früher gemacht habe. Die Farbe passt auch viel besser zu meinem Teint.

gay.ch: Deine CD ist musikalisch, gegenüber der letzten, recht anders geworden.

Annett: Ja. Die 60s waren der rote Faden dafür. Mich habe die Sechszigerjahren schon immer fasziniert. In dieser Zeit ist so vieles passiert, wie die Emanzipation der Frauen. Frank, die Gitarre und ich sind dann mit diesem Konzept nach Ibiza geflogen und haben dort zwei Wochen an den Songs geschrieben. Darum ist darunter auch "Swimming-Pool-Musik".

gay.ch: Deine Single "Drück die eins" ist bei uns gar nicht in den Charts...

Annett: Das ist in Oesterreich genau gleich... Ich verstehe das nicht: In Deutschland ist der Song auf Platz zwei eingestiegen und hier spielen die Radios den Song nicht. Ich glaub es liegt genau an dem, was ich dir vorher erzählt habe. Vielleicht darf eine Frau so etwas einfach nicht singen (lacht).

gay.ch: Du meinst, wie beim Song aus deinem neuen Album "je später der Abend"?
Genau! Frauen trinken sich die Männer auch schön. Das ist doch ein Klischee, dass nur Männer sich ihr Gegenüber schöner trinken. Wir können das auch (lacht)!

gay.ch: Hast du dir schon mal überlegt am Eurovision Song Contest teilzunehmen?

Annett: Ich weiss nicht recht. Irgendwie hab ich das Gefühl, ich würde bei all diesem Mix untergehen, denn, wie können sich so unterschiedlichen Lieder konkurrenzieren? Ich finde es auch recht schwierig, wie die Songs bewertet werden. Ach, und zudem hab ich Probleme mit Wettbewerben. Ich bin so ein sensibles Wesen, ich wüsste nicht, wie ich mit einer Niederlage und mit negativer Kritik umgehen könnte. Aber das Thema ist noch nicht vom Tisch! Wenn ich mal vielleicht einen passenden Song hätte... Wer weiss, dann könnte ich es mir nochmals überlegen.

gay.ch: Monrose und Roger Cicero haben mir in Interviews erzählt, dass es ihnen insofern etwas gebracht hat, weil sie dadurch Leute erreicht haben, welche sie möglicherweise sonst nicht erreicht hätten...

Annett: Das stimmt schon, aber ich zufrieden wie ich neue Leute gewinne und das ist vor allem durch meine Konzerte. In gewissen Städten kommen beim nächsten Konzert viel mehr Leute. Das kommt von Mund-zu-Mund-Propaganda, was natürlich wunderbar für ein Künstler ist.
 

Mut zur Abwechslung: Annett Louisan zeigt sich auf ihrer neuen CD "Teilzeithippie" mutig und das bekommt ihr gut...

Wenn Frauen ihre Haarfarbe ändern, dann ist auch in ihrem Innern etwas passiert. Ein Klischee? Mag sein... Auf jeden Fall ist Annett heute nicht mehr Blond sondern eine Brünette, hat sich von ihrem Mann getrennt, eine Zweit-Wohnung in Berlin hat sie nun auch und ebenso einen neuen Lover. Wir war das mit den Klischees? Alles anders also?

Klar doch! Auch ihr musikalischer Horizont trägt plötzlich ganz andere Farben. Das beste Beispiel ist das Stück "Ich bin dagegen", ein mit 60s angehauchter Song mit viel Tempo. In diesem Musikstil hätte sie locker die ganze CD schmeissen können. Dann hätte die Scheibe jedoch "Vollzeithippie" heissen müssen... Doch, wie bereits erwähnt, die "Teilzeithipperin" setzte dieses Mal auf Abwechslung. Etwas Jazz, etwas Country-Banjo, ein bisschen Pop und Chanson: So viele verschiedene Zutaten hat Annett noch nie auf einmal in einen Musik-Topf rein getan: "Wenn ich weiter gemacht hätte wie bisher, wäre ich einer Masche gefolgt. Und wenn man seine eigene Masche erkennt, sollte man sie am besten fallen lassen, denn das Leben ist Veränderung", erklärt Annett Louisan.

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2. sexy loverboy
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4. die siezgelegenheit
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6. die nächste liebe meines lebens
7. wir nicht
8. drück die 1
9. teilzeithippie
10. gedanken lesen
11. ich bin dagegen
12. je später der abend
13. auf dich hab ich gewartet