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(12.02.09/lp)
Als im Jahr 1989 die erste Aids-Benefiz-Compilation "Red, Hot
+ Blue" erschien, war sie auf Anhieb ein grosser Erfolg.
Zwanzig Jahre später erscheint bereits die 20. Compilation.
Das Konzept behielt der Gründer immer bei: Grosse Namen,
Song-Raritäten und immer wieder eine neue Stilrichtung.
Inzwischen konnten so rund 10 Millionen Dollar an
Aids-Organisationen weitergeleitet werden. Zum 20. Jubiläum
erhielten wir die Gelegenheit mit John Carlin zu telefonieren.
John Carlin sitzt in New York, wir in Zürich und auf die
Frage, wie lange wir sprechen können, sagt er: "Wir
haben genug Zeit. Nimm dir Zeit..."
gay.ch: Am 13. Februar erscheint bereits deine 20. Ausgabe von
"Red Hot". Wie feierst du?
John Carlin: In dem ich neue Aufnahmen mache (lacht). Hmm... Ich
habe mir echt darüber keine Gedanken gemacht, denn ich war so
mit dem Projekt beschäftigt...
gay.ch: Du solltest ausgehen und mit Freunden etwas
trinken!
John Carlin: Ja, ja, du hast ja recht (lacht).
Hast du damals gedacht, dass du so viele Compilations
herausgeben wirst?
Niemals. Vor allem nach der ersten Ausgabe war ich fix und fertig,
ich war ausgelaugt und dachte gar nicht an die nächste. Aber
dann wurde es ein grosser Erfolg und alle fragten nach, wann die
nächste herauskommen wird und ich sagte: "Macht es doch
selber, ich mag nicht mehr". Ein paar Kollegen haben es
versucht, aber es nicht wirklich hingekriegt und so kam ich wieder
dazu und machte dann doch weiter.
Wie bist du zum Namen "Red Hot" gekommen.
Die erste Scheibe hiess "Red Hot + Blue", angelehnt an
eine gleichnamige Cole Porter-Show. Sie war eine Hommage an Cole
Porter. Später behielt ich dann einfach das "Red
Hot" bei. Ich hatte das Glück, dass David Byrne der
erste grosse Künstler war, der zugesagt hatte. Damals war er
total angesagt und sogar auf Titelseiten zu sehen. Das war eine
geniale Referenz und half mir andere grosse Namen für das
Projekt zu bekommen.
Wieso ist "Red Hot" überhaupt entstanden?
Damals war man medizinisch noch nicht soweit wie heute und ich sah
meine Kollegen einfach dahinsterben... Manchmal ging ich aus und
fragte: "Hast X gesehen"? Dann hiess es: "Der ist
tot." Und fragte ich nach Y, bekam ich die gleiche Antwort.
Zu dieser Zeit war ich "Entertainment-Anwalt" und einer
meiner Kunden hat per Anzeigen Geld für AIDS-Organisationen
gesammelt und das Geld nie weitergegeben. Das hat mich so
geärgert, dass ich mir gesagt habe: "Okay, ich mach was
ähnliches und ich mache es besser!"
Sind die Künstler alle gratis mit dabei?
Grundsätzlich schon, es gibt lediglich Unterschiede bei der
Übernahme der Kosten der Aufnahmen, bzw. Produktion. Aber
auch da gibt es immer wieder schöne Überraschungen:
George Michael z.B. hat alle Kosten persönlich
übernommen. Er ist ein grosszügiger Mann.
Gab es irgendwann mal ein "Red Hot"-Konzert oder
ein Clip?
So etwas in der Art: Bei der Ausgabe "Stolen Moments"
haben wir Live-Aufnahmen auf der Bühne gemacht, inkl.
Publikum, Interviews und Aussagen von Experten aufgenommen und als
Clip um die Welt geschickt.
Hast du ein Kontrollsystem, damit du weisst, wohin das
Benefiz-Geld fliesst? Schliesslich sind ja schon rund 10 Millionen
Dollar zusammengekommen.
Das Geld geht an ganz viele Organisationen auf der ganzen Welt.
Damit kein Unsinn mit dem Geld passiert, arbeite ich mit Partnern,
welche diese Leute kennen. Wie es verteilt wird, das hängt
immer davon ab, wie viel Geld eingenommen wurde.
Ich habe gelesen, dass du auch keine Kohle für deine
Arbeit bekommst. Wie verdienst du denn deine Brötchen?
Das ist korrekt, meine Arbeit ist ehrenamtlich. Ich habe ein
Media-Unternehmen das "Funny Garbage" heisst: Wir
produzieren Clips und Webpages. Meine Mitarbeiter helfen
übrigens bei "Red Hot" tatkräftig mit!
Und hast du schon konkrete Pläne für die
nächste Compilation?
Wenn du wüsstest, wie viele Ideen ich noch habe (lacht). Wie
es aussieht, wird wohl als nächstes eine neue Variante von
"Red Hot + Rio" auf die Beine gestellt.
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