(10.07.10)
Am Freitag hat in Warschau die EuroPride begonnen: Noch bis
zum 17. Juli werden zehntausende Schwule, Lesben und Transgender
in der polnischen Hauptstadt an diversen Kulturveranstaltungen
und an der grossen Parade zum Abschluss der Pride teilnehmen.
Polen ist nicht gerade als äusserst "gay-friendly" bekannt.
Bereits mehrfach wurden in der polnischen Hauptstadt
Pride-Veranstaltungen durch Neonazis und Ultranationalisten
gewaltsam gestört, oder die Parade wurde gleich ganz verboten,
wie etwa im Jahr 2005. Damals kam es aber zu einer Klage vor dem
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, und Polen wurde
gerügt und für schuldig befunden, dass mit diesem Verbot
Menschenrechte verletzt wurden. Fortan wurde die Pride jeweils
genehmigt.
In diesem Jahr erhitzte bereits im Juni eine Ausstellung mit dem
Titel "Ars Homo Erotica", welche homoerotische Kunst im
polnischen Nationalmuseum zeigte, die Gemüter (gay.ch
berichtete). Diese Ausstellung wurde nicht zuletzt als
erster Vorbote für die jetzt stattfindende EuroPride lanciert.
Ein Ziel des Museumsdirektor, die öffentliche Diskussion und die
kontroverse Auseinandersetzung mit der Thematik zu fördern, hat
er absolut erreicht, denn die Wellen gingen hoch.
Die Ziele, welche sich die Polen für die erste EuroPride in
ihrem Land gesetzt haben, sind nicht so hochgesteckt, wie in
anderen Ländern, wo jeweils bis zu 100'000 oder mehr Schwule und
Lesben erwartet werden. Während die so genannte "Parada Równosci"
- die Gleichheitsparade - in den vergangenen Jahren jeweils ein
paar Hundert bis wenige Tausend Teilnehmer anzog, so sollen es
für die EuroPride immerhin das Zehnfache, sprich bis hin zu
50'000, sein. Neben Ausstellungen, werden auch diverse Konzerte
stattfinden, und namhafte Firmen, wie etwas IBM, laden zu einen
Business-Kongress ein.
Bereits seit dem 1. Juli findet in der Stadt zudem das
schwul-lesbische Filmfestival statt, welches bis zum 18. Juli,
also zum Ende der EuroPride stattfinden wird. Neben den
zahlreichen Besuchern, welche auf dem Festivalgelände am
Warschauer Königsweg erwartet werden, haben sich offenbar auch
einige Prominente angekündigt: So soll der deutsche
Grüne-Politiker Volker Beck kommen, aber auch Boy George soll
nach Polen reisen.
Offizielle EuroPride-Homepage:
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