(30.11.11/dom)
Lange war Homosexualität in Vietnam ein grosses Tabu, doch
das südostasiatische Land befindet sich diesbezüglich derzeit
auf der Überholspur: In dieser Woche startet nun in Ho Chi Minh
Stadt ein Theaterstück, welches sich um das Leben von schwulen
Männern dreht.
Nicht nur der wirtschaftliche Wandel vollzieht sich in
Vietnam in einem atemberaubenden Tempo, sondern auch der
Gesellschaftliche. In einer Umfrage vor rund einem Jahrzehnt
erklärten noch 82 Prozent der Bevölkerung, dass Homosexualität
für sie nie akzeptabel sein werde, und es wurden Schaudermärchen
erzählt, wonach die Schwulen beispielsweise das gesamte,
äusserst populäre Karaoke-Geschäft im Land infiltriert hätten.
Doch bereits 2007, als Studenten zu ihrer Haltung gegenüber
Homosexualität befragt wurde, zeigte sich ein total geändertes
Bild: Damals gaben achtzig Prozent an, dass sie an der
gleichgeschlechtlichen Liebe nichts Falsches sehen würden.
Am Mittwoch geht es nun einen weiteren grossen Schritt vorwärts:
In Ho Chi Minh-Stadt feiert dann das Theaterstück „Rot, Orange,
Gelb, Grün, Türkis, Violet“ – auf Vietnamesisch, wird das wohl
eingängiger klingen – seine Premiere. Aufgeführt wird es vom
Jugendtheater der Stadt, und es dreht sich um die Strapazen und
Mühen eines schwulen Mannes in Vietnam. Dies ist das erste Mal,
dass das Thema Homosexualität derart prominent in der
Öffentlichkeit gezeigt wird. Organisiert und geschrieben wurde
das Stück von „G-LinK“, einer vietnamesischen Organisation,
welche damit die Gay Community unterstützen möchte. Das Stück,
sowie auch die Vorbereitungen dazu werden zudem auch auf Film
gebannt. Die Dokumentation wird dann schlussendlich auch im
staatlichen Fernsehen, sowie auf 20 weiteren Sendern
ausgestrahlt. Unterstützt wird das Theaterprojekt zudem von den
USA, und zwar vom "Emergency Plan for AIDS Relief" (PEPFAIR),
welches damals von US-Präsident George W. Bush ins Leben
gerufen wurde.
Im Stück geht es um einen Mann, der von der Familie zur Hochzeit
gezwungen wird. Mit der Zeit hat er aber auch eine Beziehung zu
einem Mann, und wird damit gezwungen ein Doppelleben zu führen.
Dabei leiden sowohl die Familie, wie auch der Freund, wie auch
der Mann selber durch diese Situation, doch es wird auch
aufgezeigt, dass gerade die Gesellschaft den Mann dazu zwingt,
ein solches Doppelleben zu führen.
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