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USA: Ein Land ganz im Zeichen der schwullesbischen Partnerschaften
family image(29.06.11/dom) Derzeit gibt es in den USA gesellschaftspolitisch wohl kaum ein Thema, welches derart für Aufmerksamkeit sorgt wie das Thema der schwullesbischen Partnerschaften, respektive der Homo-Ehe. Dies zeigte sich auch am Mittwoch, 29. Juni 2011, wieder…

Erst vor wenigen Tagen hat der Senat des US-Bundesstaats New York für die Einführung der Homo-Ehe gestimmt, und noch am gleichen Tag hat der Gouverneur das Gesetz offiziell mit seiner Unterschrift gut geheissen (gay.ch berichtete). Das dieses Thema derzeit gesellschaftspolitisch die Medien und auch die Öffentlichkeit dominiert, aber auch spaltet, zeigte sich auch am Mittwoch, dem 29. Juni, wieder in aller Deutlichkeit.

Los ging es am Morgen: An einer Pressekonferenz mit anschliessender Fragerunde, wurden US-Präsident Barack Obama mehrere Fragen in Bezug auf seine Haltung über die Einführung der gleichgestellten Ehe für schwullesbische Paare gefragt, und ob er dies auch auf nationaler Ebene sehen würde. Er werde heute keine News machen in dieser Sache, erklärte er auf die Frage, ob er persönlich für die Homo-Ehe sei. Was er in den letzten Jahren und vor allem auch in den vergangenen Tagen in New York gesehen habe, sei eine gute Sache. Man habe gesehen, dass die Leute in New York offen über die Ehe debattiert haben. Es sei emotional gewesen, und man sei schliesslich zur Entscheidung gekommen, dass man die Ehe öffne, und er denke, dass genau dieser Prozess richtig sei. Es sei wichtig, dass man bei diesen Angelegenheiten so vorgehe, denn jeder Bundesstaat und jede Bevölkerungsgruppe entscheide dabei anders. Da in den USA im nächsten Jahr Präsidentschaftswahlen anstehen, wird Barack Obama wohl kaum offen seine Meinung zum Thema Homo-Ehe kundtun, da dieses Thema derart polarisiert, kann er es sich schlicht nicht leisten, die eine oder die andere Wählerschaft zu verärgern und dadurch Stimmen zu verlieren. Er unterstrich dabei jedoch, dass seine Regierung "DOMA", den Defense of Marriage Act, für verfassungswidrig erklärt habe. Dieses Gesetz soll die Ehe schützen, und die Bundesregierung schreibt damit fest, dass die Ehe eine rechtliche Verbindung zwischen Mann und Frau ist, und nicht zwischen Partnern des gleichen Geschlechts sein kann. Im Weiteren schreibt das Gesetz vor, dass kein US-Bundesstaat eine gleichgeschlechtliche Ehe akzeptieren muss. US-Präsident erklärte seinerseits, dass DOMA verfassungswidrig sei, und dass das Justizministerium dieses Gesetz nicht mehr verteidigen solle (gay.ch berichtete).

Weiter ging es am Mittwochnachmittag im US-Bundesstaat Rhode Island: Der Senat stimmt dort mit 21 zu 16 Stimmen der Einführung des Partnerschaftsgesetzes zu. Der parteilose Gouverneur Lincoln Chaffe erklärte bereits, dass er seine Unterschrift unter das Gesetz setzen werde. Mit diesem neuen Gesetz erhalten die schwullesbischen Paare ähnliche Rechte, wie sie auch Ehepaare zustehen. Doch, selbst zahlreiche LGBT-Organisationen sind nicht zufrieden mit der Abstimmung, und sie fordern den Gouverneur auf, das Gesetz nicht zu unterschreiben, sondern, dass er von seinem Vetorecht gebrauch macht. Sie finden, dass das Partnerschaftsgesetz ein Kompromiss sei und zu wenig weit gehe. Es verstosse zudem gegen das Anti-Diskriminierungsgesetz, welches in Rhode Island gilt. Die Forderung, dass Lincoln Chaffe sein Vetorecht gegen das Gesetz einsetzt kommt aber auch von der gegnerischen Seite: Religiöse Führer sehen in diesem Gesetz einen ersten Schritt in Richtung der gleichgestellten Ehe für schwullesbische Paare. Dieses Gesetz könne dazu führen, dass die Gerichte durch Klagen die Homo-Ehe einführen könnten.

Und für den Mittwochabend nochmals zurück ins Weisse Haus: Der Juni ist im Weissen Haus - seit die Obamas dort eingezogen sind - jeweils der Pride Monat, und aus diesem Anlass stand Präsident Barack Obama nochmals ans Mikrophon. Er brauche in diesem Raum niemanden zu erklären, wie vielen Menschen ihre Grundrechte als Amerikaner vorenthalten werden, wie viele in gewissen Belangen immer noch wie Bürger zweiter Klasse behandelt werden, oder wie viele schlicht Angst haben auf die Strasse zu gehen oder durch ihre Schule zu laufen, sagte der Präsident den Schwulen, Lesben und Transgender, welche vom Weissen Haus eingeladen wurden. Viele würden ihr Leben dem Kampf für Gleichstellung widmen, so dass alle wissen, dass es diesbezüglich noch viel Arbeit zu tun gibt. Es sei aber auch wichtig, dass man merke, wie viele Fortschritte in den letzten zweieinhalb Jahren bereits gemacht wurden. Es sei in diesem Raum gewesen, als sie sich zum ersten Pride-Empfang getroffen haben, fügte Obama hinzu, in Erinnerung an den 40. Jahrestag des Stonewall-Aufstand in New York, nur einige Monate nachdem er das Präsidentenamt übernommen habe. Damals habe er ein Versprechen abgegeben. Er werde niemals den Rat geben, dass man Geduld haben solle. Es sei nicht richtig, dass er die Schwulen und Lesben um Geduld bitte, genauso wenig, wie es richtig sei, wenn er damals die Afro-Amerikaner um Geduld gebeten hätte, als es um deren Freiheitsrechte ging. Er habe damals nur gesagt, dass es einige Zeit dauern könnte, bis wir erreichen, was wir erreichen möchten. Er erwarte nur, dass er nicht anhand seiner Versprechungen beurteilt werde, sondern daran, welche versprechen er gehalten habe, erklärte Präsident Obama weiter. Damit nahm er nicht zuletzt die Kritik auf, wonach die Umsetzung der Rechte für Schwule und Lesben viel zu langsam gehe. Dass es noch viel zu tun gibt, und dass man mit bedacht handeln muss, ist Brack Obama mehr als klar. Zu gering ist seine Mehrheit in der Politik, und zu stark ist er auf die Mithilfe der Republikaner abhängig...
 
Obama zum Thema "Marriage Equality" an der Pressekonferenz vom Mittwochmorgen:
 
 
Obama zum LGBT Pride Month im Weissen Haus am Mittwochabend: