(07.07.11/dom)
Der Mord am damals 15-jährigen, schwulen Schüler Larry King
durch einen 14-jährigen Schüler sorgte im Februar 2008
international für Schlagzeilen. Nun hat der Prozess begonnen…
Es war vor etwas mehr als drei Jahren, als Brandon McInerey,
damals 14 Jahre alt, seinen älteren Klassenkameraden vor den
Augen der Mitschüler an einer Mittelschule in Oxnard in Ventura
County, rund 90 Kilometer nordwestlich von Los Angeles,
erschossen hat. Dabei schockte nicht nur die Tat an sich,
sondern auch der Hintergrund und die totale Abgebrühtheit des
Täters. Brandon schoss seinem Opfer aus nächster Nähe in den
Hinterkopf. Er konnte nur Minuten nach der Tat ganz in der Nähe
des Tatorts verhaftet werden. Larry wurde ins Spital gebracht,
wo er für Hirntod erklärt wurde. Doch, er wurde während zwei
weiteren Tagen durch Maschinen am Leben gehalten.
Beide, sowohl Larry, wie auch Brandon, stammen aus zerrütteten
Familienverhältnissen, und vor allem beim Täter gehörte Gewalt
zu Hause schon fast zur Tagesordnung. Sein Vater soll seine
Mutter bereits vor Brandons Geburt in den Ellbogen geschossen
haben. Im Jahr 2000 wurde er dann nochmals vorurteilt, und zwar
wegen Körperverletzung gegenüber seiner Frau. In der Schule fiel
jedoch nicht auf, dass zwischen Larry und Brandon ein besonderer
Konflikt schwellte. Es sei nichts aussergewöhnliches
aufgefallen, und es sei nicht anders als bei anderen Jugendlichen
in der Pubertät gewesen.
Was jedoch besonders war, dass der damals 15-jährige Larry offen
mit seinem Coming-out umging und sich diesbezüglich auch zu
wehren wusste. Er trug oft Makeup, kam auch ab und zu in
Highheels zur Schule. Dies machte ihn zu einem beliebten Ziel
von Hass und Gewalt. Larry lebte damals seit rund einem Monat in
einem Heim für misshandelte und vernachlässigte Jugendliche.
Wie ein Freund von Brandon McInerey erklärte, sei es am Tag vor
der Tat zu einem Vorfall zwischen den Beiden gekommen. Larry
habe "I love you" gemurmelt, als er an Brandon vorbei ging. Dies
habe ihm Brandon selber erzählt. Brandon habe ihm gesagt, dass
er nun eine Pistole holen werde um Larry zu erschiessen. Einer
Kollegin von Larry, soll Brandon darauf gesagt haben, sie solle
sich von Larry verabschieden, da sie ihn nie wieder sehen werde.
Am folgenden Tag sassen sie dann alle im Computerraum, als
Brandon eine Pistole unter seinem Shirt hervorzog und Larry
vor den Augen des Lehrers und seiner Mitschüler erschoss.
Bei einer darauf angeordneten Hausdurchsuchung bei Brandon
McInerey, wurde rassistisches Material und Hakenkreuze gefunden.
Bei den Anhörungen wurde zudem bekannt, dass der Schüler auch
bei einem Ausflug ins "Museum of Tolerance" nicht teilnahm. Die
sexuelle Orientierung von Larry sei eine Affront gegenüber der
Ideologie von Brandon gewesen, heisst es, und daher könne
ein Hassverbrechen ein mögliches Tatmotiv sein.
Vor dem Gericht im Fernando Valley plädiert Brandon nun auf
nicht schuldig. Sein Anwalt fügt zudem hinzu, dass sein Mandant
von Larry sexuell belästigt worden sei, und dass die
Erschiessung darauf in der Hitze des Gefechts passiert sei.
Diese Taktik, von der Brandons Anwalt hier Gebrauch macht, wird
sehr häufig bei homophoben Hassverbrechen gebraucht, um damit
den Täter quasi zum Opfer zu machen. Brandon soll aufgrund der
besonderen Brutalität der Tat nach dem Erwachsenenrecht
verurteilt werden. Dies bedeutet, dass dem heute knapp
18-jährigen bis zu einer lebenslangen Haftstrafe drohen kann.
Die Eltern von Larry haben auch die Schule verklagt, da sie
ihrer Meinung nach nichts dageben unternommen haben, dass ihr
Sohn von den Mitschülern gemobbt wurde. Dieser Fall von Bullying
- dem Mobbing und Schikanieren - sorgte international für viele
Schlagzeilen - besonders auch innerhalb der LGBT Community. Es
wurden Mahnwachen organisiert, und eine Internetseite, welche
Larry gewidmet wurde, erhielt Tausende von Einträge und
Kondolenzschreiben.
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