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TSCHECHIEN: Prague Pride nach politischen Querelen gestartet
family image(12.08.11/dom) Auf allen Ebenen der Politik sorgte das fünftägige, schwullesbische Festival in der tschechischen Hauptstadt Prag für Diskussionen - und zu guter Letzt mischte sich auch noch die Kirche ein. Doch trotz allem wurde die "Prague Pride" nun wie geplant gestartet.

Immer öfters melden sich ausländische Botschafter zu Wort, indem sie sich öffentlich für die Durchführung von Gay Prides in Städten stark machen, in welchen es diesbezüglich immer wieder zu Ausschreitungen und gewalttätigen Gegendemonstrationen kommt. So waren es bislang vor allem die Botschafter der USA und Grossbritanniens, welche sich dann auch an den Gay Prides, etwa in Warschau, zeigten und so die Schwulen und Lesben in ihrem Anliegen für mehr Akzeptanz und Rechte an vorderster Front unterstützen. Dies ist nun aber dem tschechischen Präsident Vaclav Klaus ein Dorn im Auge, denn vom 10. bis zum 14. August findet in Tschechien erstmals das Lesben- und Schwulenfestival mit dem Titel "Prague Pride" statt.

Die Botschafter von dreizehn Ländern haben sich in einem Schreiben unter Federführung der britischen Botschaft bereits im Juli öffentlich dazu ausgesprochen, dass sie die "Prague Pride" unterstützen. Sie bekundeten zudem ihre Solidarität mit den Schwulen, Lesben und Transgender in Tschechien. Dies stiess nun aber Vaclav Klaus sauer auf, und er richtete scharfe Worte an die entsprechenden Auslandsvertretungen: Dieses Schreiben sei eine Einmischung in innenpolitische Angelegenheiten, und dies sei ein präzedenzloser Schritt. Diese massive Kritik überrascht kaum, denn wie die Regierung rund um Vaclav Klaus über Homosexuelle denkt, wurde Anfangs August einmal mehr klargemacht. Die Gay Community bestehe nur aus von der Norm abweichenden Bürgern, wetterte damals ein Berater aus dem engen Umfeld des Präsidenten. So war es auch Vaclav Klaus, der 2006 das Gesetz für die Eingetragene Partnerschaft mit seinem Veto blockierte. Damals wurde er allerdings durch das Abgeordnetenhaus überstimmt.

Für das schwullesbische Festival in Prag gab es neben den Botschaftern noch einen weiteren Supporter, der für rote Köpfe sorgte: Der Bürgermeister von Prag, Bohuslav Svoboda, hat die Schirmherrschaft der "Prague Pride" übernommen, und dabei vor allem Kritik Seitens der katholischen Kirche geerntet. Dominik Duka, der Erzbischof von Prag, forderte den Bürgermeister auf, die Schirmherrschaft wieder abzugeben. Es sei eindeutig, dass es bei diesem fünftägigen Festival nicht darum gehe, Rechte und Toleranz für eine Minderheit zu fordern, sondern es sei schlicht Propaganda für einen zügellosen Lifestyle.

Da während dem Festival auch mit Gegendemonstrationen gerechnet wird, besonders am Samstag während der Parade durch die Prager Innenstadt, sind die Sicherheitskräfte besonders wachsam und stark vertreten. Den Schwulen und Lesben wird zudem geraten, immer in Gruppen, und nie alleine unterwegs zu sein. Zudem solle man sofort die Polizei alarmieren, falls es zu einem Konflikt kommen sollte. Gerade bei Pride-Veranstaltungen in Osteuropa kommt es immer wieder zu heftigen Zusammenstössen mit Rechtsradikalen und Ultranationalisten. Es werden rund 6000 Teilnehmer erwartet, dabei sollen auch viele aus dem nahen Ausland, wie etwa aus Deutschland und Österreich anreisen.