(11.09.10/dom)
Es dürfte ein heisser Lauf werden, denn Gegendemonstrationen
werden mit grösster Sicherheit nicht ausbleiben, doch trotzdem
ist es erfreulich, dass in Belgrad erstmals seit rund neun
Jahren wieder eine Gay Pride stattfinden soll.
Es waren alles andere als schöne Bilder, damals im Jahr
2001. Was eigentlich als Marsch für Toleranz und Akzeptanz
gegenüber Schwulen, Lesben und Transgender geplant war, endete
in wüsten Schlägereien und Gewaltakten. Ultranationalisten und
Erzkonservative haben damals die erste Gay Pride auf dem Balkan
überhaupt gesprengt und mehrere Teilnehmer aufs gröbste
verprügelt. Die Gay Community in Belgrad war ob diesen Bildern
derart eingeschüchtert, dass sich seither kein Veranstalter mehr
getraut hat eine weitere Pride auf die Beine zu stellen - bis
jetzt.
Da es Schwule, Lesben und Transgender in der serbischen
Hauptstadt, wie auch im ganzen, vor allem konservativ
dominierten Land, nach wie vor äusserst schwer haben und ein
offenes Ausleben ihrer Sexualität enorm schwierig ist, soll nun
nochmals ein Anlauf für eine Gay Pride genommen werden. Als
Datum haben die Veranstalter den 10. Oktober ausgesucht, und sie
wollen auch vor dem serbischen Parlamentsgebäude
durchmarschieren um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen und
für Toleranz und Akzeptanz gegenüber der gleichgeschlechtlichen
Liebe zu werben. Der Event soll unter dem Slogan "Let's Walk
Together" stattfinden.
Bereits im vergangenen Jahr war eine Gay Pride in Belgrad
geplant gewesen, doch die Polizei hat die Veranstaltung
kurzfristig abgesagt und sich den Ultranationalisten gebeugt.
Diese haben zu Gegendemonstrationen aufgerufen, und die Polizei
liess sich damit - ob begründet oder nicht - in die Knie
zwingen. Sie sagten die Gay Pride mit der Begründung ab, dass
sie nicht für die Sicherheit der Pride Teilnehmer garantieren
können. Seit die Veranstalter nun gestern das neue Datum für
dieses Jahr bekannt haben, hat die Polizei noch nicht reagiert.
Auch von den Gegnern des Events war bislang noch nichts zu
hören, aber ihre Drohungen werden sie wohl wie im letzten Jahr
auch diesmal wieder öffentlich verbreiten. |