(07.06.10/dom)
Wer gedacht hat, dass die grösste Gay Pride in San Francisco,
Sydney oder Köln stattfindet, der hat sich getäuscht: Einmal
mehr geht der inoffizielle Titel nach Brasilien…
In der brasilianischen Metropole São Paulo ist halt alles
ein bisschen grösser: Die Stadt selber zählt rund elf Millionen
Einwohner und zusammen mit der Agglomeration kommen gut 19.8
Millionen zusammen. Kein Wunder also, dass auch die Gay Pride,
welche in São Paulo nun bereits seit dreizehn Jahren
stattfinden, um einiges grösser ist als anderswo. Am vergangenen
Sonntag war es wieder soweit, und die Teilnehmerzahlen sprengten
einmal mehr jeden Rahmen: Mit drei Millionen Teilnehmern war die
diesjährige „Gay Pride São Paulo“ einmal mehr die Grösste ihrer
Art weltweit, und sie Veranstalter schafften es gar ihren
letztjährigen Rekord selber erneut zu toppen…
Dieser Erfolg hat nicht zuletzt auch einen politischen
Hintergrund: In Brasilien ist 2010 ein Wahljahr, und
entsprechend hiess auch das Motto der diesjährigen Pride „"Vote
against homophobia, defend citizenship!", zu deutsch: „Stimm
gegen Homophobie, verteidige die Bürgerrechte!“ Doch auch
touristisch gesehen wird das Festival immer mehr zu einem
Touristenmagnet für Brasilien. In diesem Jahr sollen es bereits
rund 400'000 Touristen gewesen sein, welche extra wegen der
Pride nach São Paulo reisten. Es überrascht daher kaum, dass
selbst der Staat ein Interesse an diesem Event hat, und
grosszügig Geld für die Durchführung springen lässt. Doch auch
lokale Firmen und Konzerne haben das Potential entdeckt, und so
zahlt etwa auch die staatliche Ölgesellschaft „Petrobras“ einen
wesentlichen Beitrag dazu.
In Brasilien ist Homosexualität zwar bereits seit 1823 offiziell
legalisiert worden, doch noch immer gehören homophobe Übergriffe
leider zur Tagesordnung. Im vergangenen Jahr sollen gegen 200
Schwule aufgrund ihrer Homosexualität umgebracht worden sein.
Auch aus diesem Grund steht die Stadt voll und ganz hinter der „Gay
Pride São Paulo“, und auch die höchste politische Elite ist
jeweils unter den Teilnehmern. |