(18.05.11/dom)
Die russischen Behörden spielen wieder ein falsches Spiel:
Nachdem von einem historischen Tag die Rede war, weil die "Moscow
Pride" in der russischen Hauptstadt erstmals offiziell genehmigt
wurde, so liessen die Behörden nun - notabene am Tag gegen
Homophobie - verlauten, dass die für den 28. Mai geplante
Veranstaltung nun doch verboten wird.
Das Timing wird nicht von ungefähr kommen, und kann durchaus
als weitere Provokation und Diskriminierung aufgefasst werden.
Nachdem die Behörden der "Moscow Pride" erst grünes Licht
gegeben haben (gay.ch
berichtete), liessen sie nun just am Internationalen Tag gegen
Homophobie verlauten, dass die schwullesbische Veranstaltung nun
doch verboten werde. Die stellvertretende Bürgermeisterin
Ludmila Shvetsova begründete das Verbot damit, dass es unmöglich
sei, die Sicherheit für die Teilnehmer zu garantieren. Es seien
sehr viele Protestschreiben gegen die Moscow Pride im Ratshaus
eingegangen, erklärte sie weiter.
Verärgert über dieses Vorgehen äusserte sich Schwulenaktivist
und Veranstalter Nikolai Alekseev. Es sei wieder die genau
gleiche Erklärung wie in den vorangegangenen Jahren, sagte er in
einem ersten Statement, weshalb man die "Moscow Pride" absage.
Bereits der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte habe
erklärt, dass diese Begründung nicht gelte und dass mit dem
Verbot die Europäischen Menschenrechtskonvention verletzt werde.
Russland habe am Internationalen Tag gegen Homophobie einmal
mehr seine homophobe Politik gegen seine LGBT Bürger gezeigt,
fügte Alekseev hinzu.
Doch ans Aufgeben denken die Veranstalter auch in diesem Jahr
nich: Sie werden sich nun mit einem Antrag direkt an den
russischen Präsidenten Dmitri Medvedev wenden, damit sie direkt
vom Kreml die Bewilligung der "Moscow Pride" erhalten. Man werde
die Pride am 28. Mai so oder so abhalten, auch ohne Bewilligung,
zeigen sich die Veranstalter kämpferisch. Als Demonstrationsort
haben sie denn auch den Bolotnaya Platz ausgesucht - den Büros
der EU-Kommission. Und Alekseev fügte an, dass sich mit diesem
Verbot eindeutig zeige, dass der neue Bürgermeister die gleiche
Politik verfolge wie bereits der Vorangehende Luzhkov. |