(15.10.10/dom)
Der russische Schwulenaktivist Nikolai Alekseew wurde erneut
von der Polizei verhaftet. Er hat an einer unbewilligten
Demonstration teilgenommen, mit welcher die Direktwahl des
Bürgermeisters von Moskau gefordert wurde.
Die vergangenen Wochen waren für den russischen
Schwulenaktivist Nikolai Alekseew geprägt von vielen
Tiefschlägen, aber auch einigen Höhepunkten: Zuerst wurde er am
Flughafen von Moskau festgenommen und durch den russischen
Geheimdienst verschleppt (gay.ch berichtete), danach
demonstrierte er an der ersten, offiziell bewillgten Gay Demo
vor den Büros der Fluggesellschaft Swiss (gay.ch berichtete),
und nun wurde er erneut verhaftet. Diesmal war er wieder am
Demonstrieren, und zwar wollte er erreichen, dass der Moskauer
Bürgermeister durch die Bewohner der Hauptstadt gewählt wird.
Sie verteilten den Passanten Flyer und forderten mehr Demokratie
und dass das Recht auf Versammlungsfreiheit eingehalten wird.
Die Protestaktion war nicht bewilligt, und so fuhr die Polizei
nach nur wenigen Minuten
auf und nahm insgesamt 39 Personen, darunter eben auch Alekseew.
Die Verhafteten wurden am Boden geschleift und abgeführt, jedoch
bald wieder freigelassen. Ihnen droht nun ein happige
Geldstrafe.
Der Hintergrund der Aktion liegt nicht zuletzt bei der Absetzung
von Bürgermeister Juri Luschkow durch den russischen
Ministerpräsidenten Dimitri Medwedew (gay.ch berichtete). Er war
von 1992 bis eben Bürgermeister von Moskau, und er hat in seiner
Amtszeit immer dafür gesorgt, dass die "Moscow Pride" jeweils
verboten wurde. Dies hat ihm auch eine Klage am Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte eingebracht, und zwar vom eben
festgenommenen Nikolai Alekseew. Ein Resultat von den Richtern
wird für den 21. Oktober erwartet, und auch wie die politische
Führung in Russland darauf reagieren wird, dürfte spannend sein.
Auch die Zukunft scheint
nicht viel Positives zu bringen für die Schwulen und Lesben:
Auch der interimistisch eingesetzte Nachfolger von Juri Luschkow,
Wladimir Resin,
sprach sich öffentlich gegen die Durchführung der Pride aus (gay.ch
berichtete).
Mit der Demonstration wollte Nikolai Alekseew dafür werben, dass
der Bürgermeister der russischen Hauptstadt künftig nicht mehr
durch den Ministerpräsidenten eingesetzt wird, sondern per
Volkswahl ermittelt wird. Damit müssen die Favoriten für das Amt
ein Programm ausarbeiten, welches sie der Bevölkerung
präsentieren müssen, um an die nötigen Stimmen zu kommen. Sie
müssen sich damit "verkaufen" und künftig hängt ihr Erfolg davon
ab, ob sie ihre Wahlversprechen auch halten oder eben nicht... |