(22.03.10/dom)
Mit seiner Aussage, dass Schwule am Massaker von Srebrenica
mitschuldig seien, hat sich ein ehemaliger US-General der NATO ins
Abseits manövriert. Nun haben die angesprochenen
Niederländer reagiert und sich empört ob dieser Aussagen
gezeigt.
Das von der UN als Völkermord bewertete Verbrechen in
Srebrenica sei auf die geringe Kampfmoral der schwulen Soldaten in
den niederländischen Truppen zurückzuführen,
erklärte John Sheehan, der ehemalige General der
US-Marineinfanterie und NATO-Kommandeur. Die Niederländer waren
als Blauhelmsoldaten während des Jugoslawienkriegs 1995
für die Bewachung der muslimischen Enklave Screbrenica
zuständig. Damals haben bosnisch-serbische Truppen rund 8000
muslimische Männer und Jungen ermordet - das schlimmste
Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
Während einer Anhörung im US-Senat, bei der es um die
Zulassung von Schwulen und Lesben zur US-Armee ging, erklärte
er, dass der damalige niederländische Stabschef Henk van den
Breemen ihm gesagt habe, dass die Schwulen in dessen Armee Teil des
Problems in Srebrenica gewesen seien. Sheeban fügte darauf
weiter hinzu, dass das Verbrechen deshalb nicht verhindert wurde,
weil die Schwulen bei den niederländischen UN-Friedenstruppen
eine zu geringe Kampfmoral gezeigt hätten. Die
Senatsanhörung war öffentlich und wurde von Kameras
übertragen.
Nun reagieren die angesprochenen Niederländer: Der
Premierminister Jan Peter Balkenende höchstpersönlich
erklärte die Vorwürfe als "verantwortungslos",
und solche Aussagen hätten nie gemacht werden dürfen. Es
sei nicht akzeptabel so über Niederländische Truppen - ob
homo- oder heterosexuell - und ihre Arbeit zu sprechen, welche sie
unter solch schwierigen Bedingungen verrichtet haben. Weiter
erklärte Balkenende, dass er das Thema nur deshalb nicht mit
Präsident Obama besprechen werde, weil General Sheehan bereits
pensioniert sei. Auch General Henk van den Breemen, der laut Sheehan
die Aussagen gemacht haben soll, wendete sich an die
Öffentlichkeit und bezeichnete die Kommentare als totalen
Unsinn, und er hätte gesagt, dass Homosexuelle in seiner Armee
irgendeine Schuld am Massaker von Srebrenica treffe.
Ähnlich klingt es aus dem niederländischen
Verteidigungssprecher. Die Vorwürfe seien lächerlich, und
das Massaker, sowie die Rolle der UN-Friedenstruppen seien durch die
Niederlande, die Vereinten Nationen und durch internationale
Organisationen intensiv untersucht worden, erklärte ein
Sprecher des Ministeriums. Es sei dabei niemals festgestellt worden,
dass die sexuelle Neigung der Soldaten irgendeine Rolle gespielt
habe. In die gleiche Richtung argumentierte auch der
Verteidigungsminister Eimert van Middelkoop selber. Die Ausagen
seien verletzend und eines Soldaten unwürdig, liess er
verlauten. In den Niederlande haben die Rechte für Schwule und
Lesben, so auch ihre Zulassung zur Armee, eine sehr lange Tradition,
aus diesem Grund reagierten sie auch derart heftig und empört. |