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LIECHTENSTEIN: Partnerschaftsgesetz deutlich angenommen
family image(20.06.11/dom) Rund sechs Jahre nach der Abstimmung in der Schweiz, stimmte nun auch Liechtenstein über ein Partnerschaftsgesetz ab - und mit 68.8 Prozent sprachen sie sich deutlich für mehr Rechte für gleichgeschlechtliche Paare aus.

Die Wahlbeteiligung war schon fast traumhaft, und dementsprechend ist das Resultat der Volksabstimmung in Liechtenstein umso erfreulicher: 74.2 Prozent der Stimmberichtigten stimmten am Sonntag über die Einführung eines Partnerschaftsgesetz aus, und mit einem Ja-Stimmenanteil von 68.8 Prozent sprach sich die Bevölkerung überaus klar für das Anliegen aus. Alle elf Liechtensteiner Gemeinden sprachen sich deutlich für die Einführung des Gesetzes aus. Bereits im Landtag, das Parlament in Liechtenstein, wie auch die Regierung stellten sich ohne Gegenstimmen hinter die Einführung des Partnerschaftsgesetz (gay.ch berichtete). Darauf ergriff jedoch die etwas ominöse Gruppierung "Vox Populi" das Referendum und brachte das Partnerschaftsgesetz doch noch vors Volk (gay.ch berichtete).

Die Interessengemeinschaft störte sich vordergründig vor allem daran, dass das Parlament sich ohne Gegenstimmen für das Partnerschaftsgesetz ausgesprochen hat. Sie würden sich aus diesem Grund nicht von den gewählten Parlamentariern im Landtag vertreten fühlen. Daher wollten sie mit dem Referendum erreichen, dass die Gesamtbevölkerung über das Anliegen befinden müsse. Der Abstimmungskampf füllte darauf, wie es damals 2005 in der Schweiz nicht anders war, die Leserbriefspalten in den Zeitungen. Das neue Gesetz wurde von "Vox Populi" als erster Schritt in Richtung Adoptionsrecht für schwullesbische Paare betitelt, und es würde die traditionelle Familie schwächen. Ein Partnerschaftsgesetz sei zudem auch nicht notwendig, da all diese rechtlichen Belange auch mittels einzelnen Verträgen geregelt werden könnten.

Mit diesen Argumenten griff die Gruppierung jene Argumente auf, welche auch immer von Seiten der Kirchen ins Feld geführt werden. Diese Nähe ist auch nicht verwunderlich, steht doch mit Johannes Schraner ein Cousin des Erzbischof Wolfgang Haas hinter "Vox Populi". Während Haas seine Standpunkte schon vor der Debatte im Landtag klar machte, so hielt er sich während dem Abstimmungskampf aber mehrheitlich zurück. Gar nicht in die Debatte rund um das Partnerschaftsgesetz mischten sich zudem der Fürst und seine Familie ein.

Mit dem Partnerschaftsgesetz erhalten schwullesbische Paare in Liechtenstein neu die Gleichstellung mit den Eheleuten in den Bereichen des Erbrechts, der Sozialversicherungen, des Einbürgerungs- und Ausländerrechts, sowie bei der beruflichen Vorsorge, im Steuerrecht und im restlichen, öffentlichen Recht. Ausgeschlossen bleiben gleichgeschlechtliche Paare in Bezug auf Adoption und die künstliche Befruchtung. Das Abstimmungsresultat wird nun schnell umgesetzt: Bereits ab dem 1. September wird es gleichgeschlechtlichen Paaren möglich sein, ihre Partnerschaft eintragen zu lassen.

Der Ja-Stimmenanteil von 68.8 Prozent in Liechtenstein liegt deutlich höher als das Abstimmungsresultat damals in der Schweiz: Am 5. Juni 2005 sprachen sich 58 Prozent der Schweizer und Schweizerinnen für die Einführung des Partnerschaftsgesetzes aus.