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KANADA: Homophobie kann teuer werden
family image(17.01.11/dom) Er bedrohte sie mit dem Tod, forderte sie immer wieder zum Kampf auf und er sparte auch nicht mit homophoben Kommentaren: Ein Gericht in Quebec hat einen Mann nun zu rund 11'700 Franken verurteilt, welche er seinen schwulen Nachbarn zahlen muss.

Angefangen hat alles damit, dass Theo Wouters mit seinem Auto einen Tennisball eines der Kinder von Gordon Lusk überfahren haben soll. Das Kind habe Wouters dann als "Fucking Faggot" - in etwa: "Scheiss Schwuchtel" - beschimpft. Weitere Kinder hätten dann ebenfalls begonnen, Wouters und seinen Lebenspartner Roger Thibault so zu betiteln. Zudem wurde Wouters auch vorgeworfen, er sei mit seinem Auto zu schnell aus seiner Ausfahrt gefahren, und hätte damit die Strassenhockey spielenden Kinder gefährdet. Gordon Lusk sei dann vor dem Haus der beiden Schwulen erschienen, hätte deren Metalltor beschädigt, und sie immer wieder zum Herauskommen aufgefordert, um mit ihnen zu kämpfen, zudem drohte er ihnen, dass er sie töten werde, wenn sie nach draussen kämen. Lusk, ein ehemaliger Militäroffizier, bestritt die Vorfälle, welche sich bereits im April 2004 zugetragen haben, und wurde damals zu 500 Dollar Strafe verurteilt, welche er an eine Charityorganisation spenden musste, doch in einem späteren Urteil wurde die Strafe wieder aufgehoben.

Im Juni 2006 kam es aber erneut zu einem Zwischenfall, und wieder war es Gordon Lusk, der sich derart abschätzig gegenüber den beiden Schwulen äusserte. Ein Menschenrechtsgericht in Quebec verurteilte ihn nun zur Zahlung von 11'700 Franken aufgrund der homophoben Kommentaren. Lusks Anwalt zeigte sich enttäuscht vom Gericht und benutzte scharfe Worte um die Richter zu kritisieren: Dieses Gericht sei nicht von dieser Welt, erklärte er, und die Strafen seien viel zu hart. Wouters und auch Thibault hätten zudem jegliches Verhältnis verloren.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die beiden Schwulen gerichtlich aufgrund von Homophobie zur Wehr setzen müssen. Roger Thibault und Theo Wouters haben einen gewissen prominenten Status, weil sie ihre Partnerschaft als erstes gleichgeschlechtliches Paar in Quebec haben eintragen lassen. Sie zogen bereits 1978 in ihr Haus, und hatten es mit allen Nachbarn während über zwei Jahrzehnten gut. Doch im jahr 2001 begannen die homophoben Attacken gegen die Beiden heute 64- respecktive 68-Jährigen. Ihr damaliger Nachbar Bob Walker wurde darauf ebenfalls wegen Homophobie verurteilt, zudem organisierte die Nachbarschaft einen Kundgebung gegen Homophobie im Ort, bei welcher rund 4'000 Einwohner ihre Solidarität mit dem schwulen Paar bekundeten. Doch die Sache nahm danach eine unerwartete Wende: Das Urteil wurde rund eineinhalb Jahre später zurückgezogen, weil die beiden schwulen Männer plötzlich als wenig glaubwürdig galten. Dies schien nicht unbegründet, denn rund sechs Jahre nach der Tat schrieben die Beiden einen Brief an Bob Walker, in dem sie sich bei ihm entschuldigten und alle Vorwürfe gegen ihn wieder zurückzogen.

In 2007 kam es zum nächsten Fall: Ein Gericht in Quebec verurteilte einen Teenager zur Zahlung von knapp 10'000 Franken an die beiden Männer. Er hatte die Bäume vor deren Haus mit WC-Papier eingerollt und diese dann mit einem Feuerwerkskörper entzündet, dazu habe er gewalttätige Floskeln gerufen. Es entstand damals grosser Sachschaden auf dem Grundstück von Thibault und Wouters.

Wie es bezüglich dem aktuellen Urteil gegen Gordon Lusk weitergeht, ist nicht bekannt. Die beiden Schwulen zeigten sich jedenfalls zufrieden mit der Urteilssprechung, und die Beweislage war diesmal mehr als deutlich: Thibault und Wouters konnten vor Gericht nämlich Videobänder mit dem Ausraster von Lusk vorlegen…