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KANADA: Sind Tausende von Gay Ehen plötzlich illegal?
family image(13.01.12/dom) Ein wahrer Aufschrei hallte zuerst durch Kanada und verbreitete sich dann über die ganze Welt. Grund: Ein Anwalt der Regierung liess verlauten, dass Tausende von gleichgeschlechtlichen Ehen, welche von ausländischen Paaren in Kanada geschlossen wurden, illegal sein könnten und annulliert werden müssen. Betroffen wären damit auch Paare aus der Schweiz.

Es ist eine verzwickte Situation, und irritiert nicht zuletzt auch die Gay Community: Als Kanada im Jahr 2004 die Ehe auf für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet wurde, entwickelte sich so etwas wie eine Hochzeitstourismus von schwullesbischen Paaren, welche nach Kanada gereist sind um dort zu heiraten. Dies war bis anhin auch kein Problem, obwohl viele Paare aus Ländern wie der Schweiz in Kanada geheiratet haben, obwohl die Ehe in ihrer Heimat gar nicht anerkannt wurde. Doch, so lange die Paare glücklich verheiratet sind – jedenfalls nach der kanadischen Gesetzgebung – gab es bislang auch keine Probleme, bis nun die ersten Scheidungen anstehen. Wie sollen sich Paare scheiden lassen, welche zwar in Kanada offiziell verheiratet sind, aber die Ehe in ihrer Heimat gar nicht anerkannt werden. Dies führte nun dazu, dass die kanadische Regierung bei einem Scheidungsverfahren in einem Gericht in Toronto argumentierte, dass schwullesbische Paare, welche in Kanada geheiratet haben, gar nicht legal verheiratet sind, wenn ihr Heimatland eine Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren nicht anerkenne. Der Aufschrei war riesig, würde dies doch dazu führen, dass quasi auf einen Schlag rund 5‘000 schwullesbische Paare nicht mehr verheiratet und deren Ehen aufgelöst wurden.

Den Fall ins Rollen gebracht hat ein lesbisches Paar, welches im Jahr 2005 in Toronto geheiratet hat, weil es in Florida und England, wo die Beiden herkommen, nicht möglich war/ist. Die beiden Frauen wollen sich nun aber scheiden lassen und sind daher nach Toronto zurückgekehrt. Ein Anwalt, welcher das kanadische Justizministerium vor Gericht vertrat, hat während dem Prozess argumentiert, dass die Ehe illegal gewesen ist, weil sie von Florida, wie auch von England, wo die Beiden leben, nicht akzeptiert wird. Diese Aussage führte zu einem wahren Aufschrei rund um den Globus, weil viele Paare extra nach Kanada gereist sind um sich dort zu heiraten. Aufgrund der heftigen Reaktionen haben nun verschiedene LGBT-Organisation versucht die Wogen etwas zu glätten. In einem ersten Statement erklärten sie, dass es „nur“ ein Anwalt gewesen sei, der diese Aussage gemacht habe, und dass diese Position nicht relevant sei. Es seien keine Ehen aufgelöst worden, und es sei vorderhand auch nicht vorgesehen, dass irgendwelche Ehen annulliert werden. Bislang habe kein Gericht diese Position angenommen, und es sei auch sehr unwahrscheinlich, dass ein Gericht oder auch das kanadische Parlament mit dieser Position einverstanden wäre, heisst es in diesem Statement weiter. Doch trotzdem erklären die Organisationen, sollen gleichgeschlechtlichte Paare alle Möglichkeiten, die sich ihnen bietet ausschöpfen, um auch mittels Verträgen und notariellen Beglaubigungen ihre Partnerschaft auch neben der Ehe abzusichern. Der Grund liege nicht darin, dass man die Ehe in Kanada in Frage gestellt sei, sondern vielmehr, um möglichen Schwierigkeiten in Ländern vorzubeugen, in welchen eine gleichgeschlechtliche Ehe nicht anerkannt und akzeptiert wird. Dort könnten diese Verträge und Beglaubigungen rechtliche Unsicherheiten so weit wie möglich aus der Welt schaffen.

Auch der Justizminister von Kanada, Rob Nicholson meldete sich zu Wort, nachdem in den internationalen Medien darüber berichtet wurde, dass in Kanada geschlossene Ehen von Ausländern plötzlich illegal seien: Die Regierung werde sich an daranmachen, dass schwullesbische Paare, welche ihren Wohnsitz nicht in Kanada haben, nicht nur eine Ehe eingehen können, sondern, dass sie auch die Möglichkeit haben, sich in Kanada scheiden zu lassen, wenn ihr Heimatland dies nicht biete.

Darrell Schuurman, der Präsident von Travel Gay Kanada, warnte den guten Ruf von Kanada als internationale LGBT-Destination aufs Spiel zu setzen. Durch die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare sei Kanada nicht nur Führer in Bezug auf die Rechte für Schwule, Lesben und Transgender geworden, nein, Kanada sei damit überhaupt erst zur Reisedestination für LGBTs geworden. Wenn die jetzigen Diskussionen rasch abklingen und die Gesetze angepasst werden können, dann habe es keine negativen Auswirkungen auf die Beliebtheit Kanadas bei der Gay Community. Die Tourismusindustrie sei international hart umkämpft, und man habe es bereits gespürt als einige US-Bundesstaaten die Öffnung der Ehe eingeführt haben, fügte Schuurman hinzu.