(19.08.11/dom)
Zwei Männer haben mindestens hundert schwule Priester in ganz
Italien erpresst. Sie drohten mit einem öffentlichen Outing,
sofern die Opfer nicht Geld überweisen würden. Nun konnten die
beiden Männer verhaftet werden und erste Ermittlungsergebnisse
sind bekanntgeben worden.
Die Angst ging um unter den italienischen Priestern. Über
Hundert von ihnen wurden via Facebook, Handys oder via Messenger
erpresst. Doch Ende Juli konnten die Geistlichen aufatmen, denn
die italienische Polizei nahm in Bagnoli del Trigno in der
süditalienischen Region Molise die beiden mutmasslichen
Erpresser fest. Dabei handelt es sich um den 35-jährigen Diego
Maria C. und den 30-jährigen Giuseppe T., welche zusammen in
einem Haus wohnen. Wie die Polizei nun mitteilt, konnten auf den
Computern und Handys der beiden Männer die Kontaktangaben zu
über hundert Priestern gefunden werden. Im Weiteren seien auch
Videos von sexuellen Handlungen mit Priestern auf den Computern
gefunden worden, sowie diverse Nachrichten.
Der Fall sei verzwickt, erklärten die Untersuchungsbehörden. Und
dies wird auch deutlich, wenn man die Aussagen der Verteidigung
anhört. Giuseppe T. liess via Anwalt ausrichten, dass er
ursprünglich von einem Priester verführt worden sei, als er
diesem ein Paket ausgeliefert habe. Nachdem sie die
Telefonnummern ausgetauscht haben, sei es dann auch kurz darauf
zum Sex gekommen. Der Priester habe ihm seither regelmässig Geld
überwiesen, und das freiwillig, fügte Giuseppe T. hinzu, und der
Priester habe ihm auch offeriert, dass er ihm ein Auto kaufen
würde.
Der Priester hat Giuseppe T. im Mai diesen Jahres bei der
Polizei angezeigt. Zu dieser Zeit hatte T. bereits Kontakt zu
einem weiteren Geistlichen. Der habe ihn, so erklärte T. via
Anwalt weiter, nach Rom mitgenommen. Wegen einer Konferenz habe
der Priester drei Tage in der Hauptstadt verbracht. Er habe T.
das Bahnticket, sowie die Übernachtungen bezahlt, und ihm
zusätzlich 300 Euro gegeben, damit er Marihuana, Alkohol,
Kondome und Gleitmittel kaufen gehen könne. T. behauptete zudem,
dass darauf Duzende von Priestern sich bei ihm via Facebook und
Messengers gemeldet hätten, welche erotische Massagen und Sex
von ihm wollten. Es seien zeitweise bis zu fünf Anfragen pro Tag
gekommen, sogar eine aus Frankreich. Dass er sie darauf nach
Geld gefragt habe, sei für ihn die Möglichkeit gewesen, um die
Anfragen zu filtern, fügte er hinzu. Dabei seien es nicht immer
nur reale Treffen gewesen, sondern, es sei auch um virtuelle
Sessions via Webcam gegangen.
Die Geistlichen wiederum geben nun an, dass sie von den beiden
Männern erpresst worden seien. Sie hätten bis zu 10'000 Euro
verlangt, damit sie mit den sexuellen Vorlieben der jeweiligen
Priester nicht an die Öffentlichkeit gehen. Diego Maria C. war
dabei offenbar der mutmassliche Haupttäter, und er habe auch die
Login-Daten für die Facebook- und Messenger-Konten von T.
gehabt, heisst es von der Anklage. Ein Priester habe den Beiden
7'000 Euro überwiesen, teilten die Ermittler weiter mit. Geld,
welches er von den Gläubigen erhalten habe, für die Segnung
deren Häuser. Es gebe eine Vielzahl von Priestern in Italien,
welche auf solche sexuelle Kontakte via Internet stehen, und sie
würden sich unter einander auch austauschen, welche "Partner"
sie kennengelernt haben und auch treffen. Es wird damit
gerechnet, dass die Ermittlungen in diesem Fall noch einige Zeit
in Anspruch nehmen werden.
Es ist nicht das erste Mal, dass es Wirbel um schwule Priester
in Italien gibt: Im Juli des vergangenen Jahres sind Videos
aufgetaucht, welche Priester in Schwulen-Bars und an Gay Parties
zeigten (gay.ch
berichtete). |