(09.05.11/dom)
Im November finden in Irland die Präsidentschaftswahlen
statt, und im Rennen ist mit David Norris auch ein Schwuler -
eine Premiere für das politisch eher konservative Land…
Derzeit ist David Norris als Senator im irischen Parlament,
doch seine Ambitionen liegen in einem weit höheren Amt. Wenn in
Irland im November ein neuer Präsident gewählt wird, dann wird
auch der 66-Jährige im Rennen um den Posten sein - und er könnte
erfolgreich sein. Sowohl bei den jetzigen Umfragen, wie auch bei
den Buchmachern - genau, auch die Iren lieben es zu wetten -
gilt David Norris derzeit als unangefochtener Favorit für das
Amt. Trotz dieser positiven Ergebnisse sind die Iren aber auch
gespalten was den offenen Umgang von Norris in Bezug auf seine
Homosexualität betrifft. Doch, gerade in diesen Zeiten, da
Irland besonders hart von der Finanzkrise getroffen wurde,
scheint eine Persönlichkeit wie David Norris punkten zu können,
da die Iren derzeit einen Mann oder eine Frau suchen, welche
sich das Establishment vorknüpft, und welche ein
Winner-Typ ist. Da kommt ihm seine Eigenständigkeit ganz klar zu
Gute, denn Norris tritt als unabhängiger Kandidat bei den Wahlen
an. Dass er sich aber auch massiv dafür eingesetzt hat, dass
Irland zu einem Partnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche
Paare gekommen ist, scheint auch die konservative Wählerschaft
kaum zu stören, denn das einzige was offenbar zählt, ist, dass
er gewonnen hat.
Seine Mutter ist Irin, sein Vater ist Engländer, und er ist im
damaligen Belgisch-Kongo geboren worden. Ansonsten ist sein
Leben aber sehr traditionsverbunden. Aufgewachsen ist David
Norris in Irland und dort besuchte er auch das äusserst
renommierte Trinity College, bei welchem er später auch als
Professor arbeitete. Als er damals Student am College war, nahm
er sich dem irischen Schriftsteller James Joyce an und half mit,
ihm ein Revival zu ermöglichen und die Ansichten auf dessen Werk
massiv zu verbessern - so sehr sogar, dass es im heutigen Irland
schwer ist, ein öffentliches Gebäude zu finden, in dem kein
Porträt von Joyce hängt. Gerade mit dieser traditionsreichen und
engen Verbundenheit zu Irland konnte Norris seine Bekanntheit,
und damit verbunden auch seine Beliebtheit bei der Bevölkerung
massiv steigern.
Dass er als unabhängiger, parteiloser Kandidat derzeit bei den
Umfrageergebnisse vorne liegt, hat sicherlich auch damit zu tun,
dass die grossen Parteien bislang noch keine Kandidaten
nominiert haben - doch trotzdem überflügelt Norris derzeit die
möglichen Anwärter. Mit der Nomination und vor allem wenn die
offiziellen Kandidaten dann den Wahlkampf starten werden,
könnten sich die Umfrageergebnisse aber noch ändern. Für "Fine
Gael", so wird vermutet, wird wohl Mairead McGuinness beim
Parteitag im Mai nominiert, und bei "Labor" sieht es derzeit
nach einem Rennen zwischen Michael D. Higgins und Fergus Finlay
aus. Wenn die Gegenkandidaten von Norris feststehen, dann wird
es sich endgültig zeigen, ob eine Partei im Rücken ein Vorteil
ist, oder doch eher ein Hindernis... |