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IRAN: Neuer "Dress Code" für den Alltag
family image(17.06.11/dom) Um die westlichen Einflüsse zu verbannen, haben die iranischen Sittenwächter neue Kleidervorschriften herausgegeben, welche in der Öffentlichkeit auch scharf kontrolliert werden - darunter gehört auch, dass Männer keine Halsketten und keine auffälligen Frisuren tragen dürfen.

Lockere Kopfschleier, enge Oberteile und kurze Hosen bei welchen Haut zum Vorschein kommen, sind bei Frauen im Iran strikte verboten. Bei den Männern sind neuerdings Halsketten und auffällige Frisuren nicht mehr erlaubt. All dies sei westlicher Einfluss und habe nichts mit dem Islam zu tun. Die Behörden haben bereits im vergangenen Sommer eine Liste mir Haarschnitten herausgegeben, welche toleriert werden und welche nicht. Doch nun sollen diese Vorschriften auch verstärkt geahndet werden. Um dies auch vollumfänglich durchsetzen zu können, haben die iranischen Behörden entsprechend 70'000 Sittenwächter ausgebildet, welche nun durch die Strassen des Landes gehen um die neuen Regelungen zu kontrollieren.

Vor allem jetzt im Sommer, bedingt durch die grosse Hitze, versuchen viele Iraner, vor allem die Jugendlichen, die Grenzen des zulässigen auszuloten. Dem will die Regierung mit diesen zusätzlichen Sittenwächtern entgegentreten. Dabei geraten vor allem die Frauen verstärkt unter Druck, denn sie müssen sämtliche Haut bedecken, auch im Hochsommer. Bei den Männern sind kurzärmlige T-Shirts zwar erlaubt, nicht aber Shorts. Wer die neuen Kleidervorschriften nicht einhält und dagegen verstösst, dem drohen Bussen oder gar Haftstrafen.

Die Vorschriften, mit welchen das Regime seine Bürger immer mehr auch im Privaten einschränkt, nimmt mittlerweile bizarre Formen an. So wurde erst vor kurzem durch das iranische Parlament bestimmt, dass das Besitzen von Hunden neu unter Strafe gestellt wird. Die Begründung: Es sei ein kulturelles Problem, und die Hundebesitzer würden nur blind der vulgären Kultur aus dem Westen folgen. Im Islam gelten Hunde zudem als unrein, und sie werden eigentlich selten zu Hause gehalten. Doch im Norden der Hauptstadt Teheran, in den Nobelvierteln, haben sich in letzter Zeit Hunde als Haustiere verbreitet durchgesetzt.

Das harte Vorgehen ruft auch zahlreiche Kritiker hervor, welche dem Regime vorwerfen, diese neuen Vorschriften nur als Vorwand zu brauchen um die Bevölkerung generell schärfer zu kontrollieren. Das Regime sei in erster Linie an seinem eigenen Überleben interessiert und scheue nicht davor zurück in die Privatsphäre seiner Bürger einzudringen. Wie in praktisch allen islamischen Staaten und autoritär geführten Regimes, so ist auch die Regierung im Iran äusserst nervös, dies nicht zuletzt aufgrund der jüngsten Vorkommnisse in Tunesien, Ägypten und dem Jemen, wo die dortigen Regime durch Massenproteste gestürzt wurden. Doch es gibt auch Widersprüche in der iranischen Regierung selber: Die Sittenpolizei ist direkt dem obersten Führer des Landes, Ayatollah Ali Khamenei, unterstellt, und er soll es auch gewesen sein, welcher die neuen Richtlinien eingeführt hat. Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad seinerseits erklärte in einer Fernsehansprache, dass er diese neuen Vorschriften und die verstärkten Kontrollen nicht befürworte.