(04.08.11/dom)
Im Alter von 98 Jahren ist Rudolf Brazda in einem Pflegeheim
im Elsass gestorben. Dies teilte der Lesben- und Schwulenverband
Deutschland in einer Mitteilung mit. Er war der letzte schwule
Überlebende eines Konzentrationslager während dem Zweiten
Weltkrieg.
Er sei am Mittwoch im Alter von 98 Jahren in einem
Pflegeheim im Elsass friedlich eingeschlafen, heisst es von
Seiten von Freunden von Rudolf Brazda. Beerdigt wird er neben
seinem Lebensgefährten Edouard Meyer, welcher 2003 gestorben ist,
und
mit welchem Brazda während über 50 Jahren zusammen war. Rudolf
Brazda zog nach Ende des Zweiten Weltkriegs ins Elsass, und seit
Juni diesen Jahres lebte er nun in einem Pflegeheim.
Die Nationalsozialisten verschleppten Rudolf Brazda im August
1942 ins Konzentrationslager Buchenwald, und er wurde dort
festgehalten bis im April 1945, als die KZ-Häftlinge durch die
Amerikaner befreit wurden. Schätzungsweise 10'000 bis 15'000
Homosexuelle wurden durch die Nationalsozialisten in
Konzentrationslagern festgehalten - teils umgebracht oder zu
harter Zwangsarbeit verurteilt, was nicht selten ebenfalls zum
Tod führte.
Lange hat Rudolf Brazda über seine
schreckliche Vergangenheit geschwiegen. Erst als er 2008 durch
die Medien erfuhr, dass in Berlin ein Denkmal für die durch die
Nationalsozialisten verfolgten Homosexuellen (siehe Bild) eingeweiht wurde,
meldete er sich beim Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD).
Nur wenig später bekam er vom Regierenden Bürgermeister Berlins,
Klaus Wowereit, eine persönliche Einladung um das Denkmal
gemeinsam mit ihm zu besuchen.
Seit seinem "Outing" kamen Rudolf Brazda grosse Ehren zuteil. So
wurde er im Herbst 2008 zum Ehrenmitglied des LSVD ernannt, gilt
Rudolf Brazda doch als
letzter bekannter, schwuler Überlebender eines
Konzentrationslagers. Vor
kurzem verlieh ihm zudem der französische Staatspräsident
Nicolas Sarkozy den
Orden der Ehrenlegion. Erst im April erschien das Buch "Das
Glück kam immer zu mir" - auf deutsch übersetzt von
Alexander Zinn: Das sind die
Lebenserinnerungen von Rudolf Brazda, welche er zusammen mit dem
französischen Autor Jean-Luc Schwab geschrieben hat. Im Original
ist das Buch im vergangenen Jahr unter dem Titel "Itinéraire
d'un triangle rose" - zu Deutsch: "Lebensweg eines rosa Winkels"
- veröffentlicht worden, in Anlehnung an das Symbol, der rosa
Winkel (siehe Bild), mit welchem die homosexuellen Häftlinge in
den Konzentrationslager "gekennzeichnet" wurden. |