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DEUTSCHLAND: Baden-Württemberg holt auf in Sachen Homo-Ehe
family image(03.05.11/dom) Von einem der Schlusslichter, wird das deutsche Bundesland Baden-Württemberg nach dem Regierungswechsel mächtig aufholen in Sachen Rechte für Schwule, Lesben und Transgender.

Die letzten Wahlen haben einen grossen, politischen Wechsel gebracht in Baden-Württemberg: Die damals regierende CSU wurde abgestraft, und die Grünen erhielten enormen Zuspruch. Vom Fukushima-Effekt war die Rede, aber sicherlich hat auch das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 hat einen gewissen Teil zu dieser Abstrafung beigetragen. Der Verlust der ansonsten in diesem Bundesland fest im Sattel sitzenden CDU war enorm, und umso mehr gewannen die Grünen/Bündnis 90. So konnten sie nun sogar den Ministerpräsidenten stellen, und zusammen mit der SPD die Regierung bilden.

Mit dieser Wahl geht auch eine Ära zu Ende, nämlich jene vom ehemaligen Ministerpräsident Stefan Mappus von der CDU, welcher jeweils auch nicht mit seiner Meinung zurückhielt, wenn es um CSDs und so weiter ging. Der Christopher Street Day bezeichnete er offen als "abstossend" und als "frivole, karnevaleske Zurschaustellung sexueller Neigungen". In diesem Zusammenhang weigerte er sich jeweils auch - wie sonst üblich - ein Grusswort an den CSD zu senden. Doch damit ist nun vorbei, denn die künftige rot-grüne Regierung hat bereits angekündigt, dass sie die Politik ändern wolle, und in ihrem Koalitionsvertrag gibt es gar einen eigenen Abschnitt für LGBTs.

Gross sind jetzt die Unterschiede zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren, welche sich registrieren lassen wollen, und heiratswilligen Hetero-Pärchen: So müssen schwullesbische Paare 300 Euro bezahlen, dass sie in einer Kfz-Zulassungsstelle ihre Partnerschaft eintragen lassen können, während Hetero-Paare, notabene im Standesamt, gerade mal 40 Euro für die Zeremonie bezahlen. Die registrierten Lebenspartner von Beamten hatten in Baden-Württemberg bislang zudem auch keinen Anspruch auf die Hinterbliebenenversorgung, auf Sonderurlaub oder auf einen Familienzuschlag. Durch diese Unterschiede bildet das Bundesland Baden-Württemberg das Schlusslicht innerhalb Deutschlands - doch nicht mehr lange.

Sobald die neue Regierung an der Macht ist, wolle man sich dafür einsetzen, dass die Lebenspartnerschaften im vollem Unfang mit der Ehe gleichgestellt werden - natürlich in jenen Punkten, welche mit dem übergeordneten Recht möglich sind. So werden die Beamten bei Bezahlung und Versorgung gleichgestellt, und die neue Regierung wolle sich auch auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die Gleichstellung, etwa im Steuer- und im Adoptionsrecht, vorangetrieben wird. Ob dieser Ankündigungen zeigen sich auch die Schwulenorganisationen äusserst erfreut über diese Kehrtwende, und sie sprechen bereits von einem Meilenstein.

Bis zum Regierungswechsel dauert es nun nur noch wenige Tage: Der Koalitionsvertrag soll am 7. Mai auf Landesparteitagen beschlossen werden, und Winfried Kretschmann soll schlussendlich am 12. Mai zum ersten grünen Ministerpräsidenten gewählt werden.

Der Abschnitt über Schwule und Lesben im Koalitionsvertrag:

Lesben und Schwule: Gleiche Pflichten - gleiche Rechte

Durch die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern werden wir Baden- Württemberg künftig ein neues, tolerantes Gesicht geben und als Landesregierung respektvoll und weltoffen handeln.

Mit dem Credo "Gleiche Pflichten - gleiche Rechte" werden wir im gesamten Landesrecht dafür sorgen, dass die eingetragene Lebenspartnerschaft im vollen Umfang mit der Ehe gleichgestellt wird. Die Verpartnerung gleichgeschlechtlicher Paare wird künftig - wie in allen anderen Bundesländern auch - auf dem Standesamt zu einheitlichen Gebührensätzen geschlossen. Verpartnerte lesbische Beamtinnen und schwule Beamte werden künftig in Versorgung und Besoldung gleich behandelt wie heterosexuelle Paare. Die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern muss auch im Grundgesetz verankert werden. So ist es für uns selbstverständlich, dass wir uns auf Bundesebene für die Einfügung des Merkmals "sexuelle Identität" in Art. 3 GG einsetzen. Vollständige Gleichstellung wollen wir auch für Regenbogenfamilien im Steuer- und Adoptionsrecht.

Aufklärung und Sensibilisierung sind entscheidend, um zu Verständnis und gegenseitiger Wertschätzung zu gelangen. Wir werden baden-württembergische Schulen dazu anhalten, dass in den Bildungsstandards sowie in der Lehrerbildung die Vermittlung unterschiedlicher sexueller Identitäten verankert wird. In einem landesweiten Aktionsplan für Toleranz und Gleichstellung wollen wir Konzepte entwickeln, um Vorurteile abzubauen und Baden-Württemberg zu einem Vorreiter für Offenheit und Vielfalt zu machen.