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COSTA RICA: Querelen um Homo-Ehe
family image(12.08.10/dom) Nein, darüber soll das Volk nicht abstimmen können: Das Verfassungsgericht von Costa Rica stellt sich gegen ein Referendum, welches der Bevölkerung die Möglichkeit gegeben hätte über ein Partnerschaftsgesetz abzustimmen: Für die Schwulen und Lesben dürfte dieser Entscheid von Vorteil sein.

Es ist eine sehr langwierige Angelegenheit, das Thema der so genannten Homo-Ehe in Costa Rica: Bereits seit rund sechs Jahren gibt es eigentlich ein Gesetz, welches nur noch vom Parlament abgesegnet werden müsste. Doch dieses tut sich offenbar schwer mit der Entscheidung, was nicht weiter verwundert, denn auch die Staatspräsidentin des mittelamerikanischen Staats, Laura Chinchilla, sprach sich mehrfach gegen das geplante Gesetz aus. Nicht zu letzt wegen ihren sehr engen Verbindungen zur katholischen Kirche hat sie die so genannte Homo-Ehe als "nicht dringend" betitelt, und dadurch dazu beigetragen, dass das Gesetz immer weiter verschleppt wurde.

Vier Rechtsanwälte machen nun jedoch Druck: Sie haben mehrere zehntausend Unterschriften gesammelt, um ein Referendum gegen das geplante Gesetz zu erreichen und um damit eine Volksabstimmung zu erzwingen. Dass sie damit nicht etwa die Schwulen und Lesben unterstützen wollen, zeigt sich deutlich. Sie sammelten die Unterschriften mehrheitlich in den katholischen Kirchen um auch gleich negative Stimmung gegen den Gesetzesentwurf zu verbreiten. Und sie haben es geschafft und die nötigen Unterschriften zusammengekriegt: Das Oberste Wahlgericht von Costa Rica hat in seinem Urteil bekannt gegeben, dass die so genannte Homo-Ehe am 5. Dezember vors Volk kommen soll. Das brisante an diesem Termin ist, dass gleichzeitig die Kommunalwahlen stattfinden werden. Dadurch würde es um einiges leichter werden, die nötigen 30 Prozent Wahlbeteiligung zu erreichen, damit das Resultat rechtskräftig wird.

Doch gegen diesen Entscheid gab es Widerstand: Verschiedenste Menschenrechtsorganisationen forderten, dass über eine solche Frage nur das Parlament zu entscheiden habe und nicht das Volk, da es um den Schutz einer Minderheit gehe. Würde die so genannte Homo-Ehe zur Abstimmung gelangen, würde dies den religiösen Fundamentalismus fördern und die Kirche erhielte zudem die Möglichkeit sich in politische Belange einzumischen. Es werden auch Stimmen laut, die vor schwerwiegenden Konsequenzen warnen. Die Rechte der Schwulen und Lesben müssen verteidigt werden, da sonst eine Welle der Gewalt gegen diese Minderheit ausgelöst werden könnte. Dies würde auch die nationale Sicherheit gefährden.

Diese Ansichten der Gegner einer Abstimmung teilt nun offenbar auch das Verfassungsgericht von Costa Rica. Mit fünf gegen zwei Stimmen haben die Richter am Dienstag entschieden, dass die Einführung der Homo-Ehe eine Sache des Parlaments sei, und nicht für eine Abstimmung durch das Volk geeignet sei. Damit ist das Referendum blockiert und der Ball liegt wieder beim Parlament. Die Richter befanden, dass die Schwulen, Lesben und Transgender Diskriminierungen ausgesetzt seien, und dass sie daher vom Staat besonders geschützt werden müssen. Damit erreichen die Gay Community und die Menschenrechtsorganisationen einen ersten Etappensieg. Nun bleibt bloss noch zu hoffen, dass das Parlament den Gerichtsbeschluss ernst nimmt und vorwärts macht, und nicht wieder Jahre verstreichen lässt, bis es mal zu einer Entscheidung kommt.