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CHINA: Ein Aids-Aktivist ist in Foltergefahr
family image(24.09.10/dom) Die Organisation "Amnesty International" macht mit einem internationalen Appell auf das Schicksal des Aids-Aktivisten Tian Xi aufmerksam. Er setzte sich für Menschen ein, welche aufgrund von medizinischen Fehlern bei den Behörden mit dem HI-Virus angesteckt wurden oder bereits an Aids erkrankt sind. Aus diesem Grund wurde Tian Xi am 17. August in der chinesischen Provinz Henan verhaftet. Ihm drohen nun im Gefängnis Folter und Misshandlung, die Organisation ruft deshalb zum Schreiben von Protestbriefen an die chinesischen Behörden auf.

Im Vordergrund standen die Verhinderung von Protestaktionen, welche Tian Xi gegen die chinesischen Behörden geplant hat. Und in diesem Bezug kennt die Regierung absolut kein Pardon und liess Tian Xi kurzerhand verhaften. Er weiss, wofür er kämpft, denn im 1996 - im Alter von neun Jahren - wurde er selber durch eine Bluttransfusion mit dem HI-Virus und mit Hepatitis A und B angesteckt. Am 2. August 2010 ging er nochmals in dieses Spital, in welchem er infiziert wurde, um über Entschädigungszahlung für sich und anderer Menschen mit dem gleichen Schicksal mit der Klinikleiter zu sprechen. Dieser zeigte sich jedoch alles andere als gesprächsbereit und er stiess Tian Xi von sich weg. Im Laufe der anschliessenden verbalen Auseinandersetzung nach Tian Xi aus Verärgerung ein paar Gegenstände vom Schreibtisch des Klinikleiters und warf diese zu Boden. Dies war der vorläufige Höhepunkt des Streits zwischen Tian Xi und dessen Vater gegenüber den Behörden, denn die Beiden setzen sich bereits seit einigen Jahren für Entschädigungszahlungen ein.

Rund zwei Wochen nach diesem Vorfall in der Klinik, in der Nacht des 17. August, drangen etwa 20 PolizistInnen und auch weitere, in weisse Kittel gekleidete Personen in die Wohnung von Tian Xi ein und nahmen ihn fest. Er wurde im Kreis Xincai ins Volkskrankenhaus Nr. 2 gebraucht und dort in ein Zimmer gesteckt, welches auch für in Polizeihaft befindliche Personen vorgesehen ist. Es waren auch wieder mehrere PolzistInnen im Raum postiert. Am folgenden Tag wurde er wieder von der Polizei abgeholt und zur Polizeiwache gebracht, wo er inhaftiert wurde. Am 23. August wurde dann Anklage gegen ihn erhoben, wobei der Vorfall beim Klinikleiter als Vorwand angegeben wurde, und zwar als "vorsätzliche Sachbeschädigung von Eigentum". Zwei Tage später wurde der Fall dann an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Am 26. August durfte erstmals ein Rechtsanwalt zu Tian Xi in die Haftanstalt, und dieser teilte mit, dass sein Mandant nicht in erforderlicher Weise medizinisch versorgt wird.

Örtliche AktivistInnen haben interne Regierungsdokumente ausfindig gemacht, und darin wird ersichtlich, dass die Polizei Tian Xi bereits Anfang März 2010 zur Verhaftung ausgeschrieben hat. Damit wollten die Behörden verhindern, dass Tian Xi Protestaktionen organisieren kann, um damit Entschädigungszahlungen zugunsten von Menschen einzufordern, welche in staatlichen Krankenhäusern durch Bluttransfusionen mit HIV/Aids infiziert wurden.

Tian Xi ist in Gefahr und ihm drohen Folter und Misshandlung im Gefängnis. Aus diesem Grund ruft "Amnesty International" zu einer Protestaktion auf. Es sollen eMails, Faxe und Luftpostbriefe zuhanden der chinesischen Behörden geschickt werden, um die unverzügliche Freilassung von Tian Xi zu fordern. Im Schreiben, so "Amnesty International", sollte man folgende Forderungen erwähnen:

- Ich fordere Sie auf, Tian Xi unverzüglich und bedingungslos freizulassen.

- Stellen Sie sicher, dass Tian Xi nicht gefoltert oder in anderer Weise misshandelt wird.

- Sorgen Sie dafür, dass Tian Xi von Anwälten seines Vertrauens und von seiner Familie besucht werden kann und medizinisch angemessen versorgt wird.

- Veranlassen Sie unabhängige Ermittlungen zur Aufklärung von Vorwürfen, denen zufolge sich Tian Xi und andere Personen den HI-Virus sowie Hepatitis B und C durch Bluttransfusionen in staatlichen Krankenhäusern zugezogen haben, in denen Blutkonserven aus staatlich kontrollierten Beständen eingesetzt worden sind.

- Sorgen Sie für eine Überprüfung der Entschädigungsleistungen an Menschen, die sich infolge unzulänglicher Verfahren beim Blutspenden infiziert haben.

Die Schreiben - in gutem Chinesisch oder auf Englisch - sollten möglichst bald abgeschickt werden, da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren - aus diesem Grund nach dem 13. Oktober keine Appelle mehr verschicken.

Die Adressen:
VORSITZENDER DER REGIERUNG VON XINCAI
WANG Jungfeng Xianzhang
Xiancaixian Renmin Zhengfu, 1 Zhengfujie
Xincaixian
463500 Henansheng
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Dear President)

DIREKTOR DER ABTEILUNG FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT IN XINCAI
Bian Fenglu Juzhang
Xincaixian Gong'anju
Shenglijie, Guluzhen
463500 Henansheng
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Dear Director)

KOPIEN AN:
MINISTERPRÄSIDENT DER VR CHINA
WEN Jiabao Guojia Zongli
The State Council General Office
2 Fuyoujie
Xichengqu, Beijingshi 100017
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Your Excellency)
Fax: (00 86) 10 6596 1109