(10.08.11/dom)
Er macht Nägel mit Köpfen und setzt nun sein Versprechen in
die Tat um: Der chilenische Präsident Sebastian Pinera
unterschrieb einen Antrag betreffend der Anerkennung von
gleichgeschlechtlichen Paaren und sendete diesen an den Kongress
weiter.
Alle Formen einer Ehe hätten Respekt, Würde und die
Unterstützung des Landes verdient, erklärte der chilenische
Staatspräsident Sebastian Pinera, nachdem er einen
entsprechenden Antrag an den Kongress geschickt hat. Damit will
er den gleichgeschlechtlichen Paaren gewisse Rechte zugestehen, welche sonst nur verheiratete Paare haben. Damit setzt Pinera sein versprechen um, wonach er sich für ein
Partnerschaftsgesetz stark machen werde (gay.ch berichtete).
Gemischt- und gleichgeschlechtliche Paare werden dadurch auf die
gleiche Ebene gestellt, weil es in beiden Fällen möglich sein
soll, damit die Liebe, Zuneigung und den gegenseitigen Respekt
zu fördern.
Dass sich Sebastian Pinera überhaupt für dieses Anliegen
einsetzt, kommt eher überraschend, gilt er doch ansonsten als
eher konservativ und verdrängte er doch die mitte-links
Regierung nach rund 20 Jahren von der politischen Spitze des
Landes. Doch bereits währned seinem Wahlkampf gab er bekannt,
dass er sich bei seiner Wahl für ein Parnerschaftsgesetz stark
machen werde - obwohl er damit auch massiven Gegenwind aus dem
streng katholischen Land spürte. Doch dem entgegnete er jeweils
damit, dass er daran glaube, dass die Ehe von Natur nur für
einen Mann und eine Frau sei, doch diese Überzeugung schliesse
nicht aus, dass es noch andere Formen von Beziehungen gebe,
welche es zu akzeptieren gelte.
Die beiden grossen Parteien des Landes, die "Renovation
National" und die "Independent Democratic Union" haben bereits
ihren Widerstand gegen die Pläne von Pinera angekündigt, und
sind dem Kongress demonstrativ ferngeblieben, als der Präsident
den Gesetzesentwurf vorgestellt hat. Da die Umfragewerte von
Pinera derzeit mit 26 Prozent Zustimmung auf einem Allzeittief
liegen, wurde ihm wegen diesem Antrag von der Opposition gar
vorgeworfen, dass er sogar seine Mutter verkaufen würde, nur um
seine Umfragewerte zu verbessern. Der Präsident höre nicht auf
seine Parteimitglieder, sondern nur auf die Studenten. Dieser
Vorwurf bezog sich dabei auf die seit drei Monaten immer wieder
aufflammenden Studentenproteste in ganz Chile.
Wird das Partnerschaftsgesetz in Chile tatsächlich eingeführt,
dann ist das eine bemerkenswerte Wende im gesellschaftspolitisch
doch sehr konservativen Land. So war eine Scheidung in Chile
beispielsweise erst ab dem Jahr 2004 möglich. Gemäss dem Antrag
von Präsident Pinera, sollen gleichgeschlechtliche Paare in etwa
im Erbrecht, aber auch bei der sozialen Absicherung mit
Ehepaaren gleichgestellt werden. Damit würde sich Chile Ländern
wie Brasilien (gay.ch
berichtete), Paraguay und Kolumbien (gay.ch
berichtete) anschliessen, in welchen
ähnliche oder noch weiter gehende Gesetze geplant sind. |