(02.08.10/dom)
Weil das Kino 46 in Bremen des öfteren auch Filme mit
homosexueller oder jüdischer Thematik zeigt, erhalten die
Betreiber seit März immer wieder Drohbriefe. In dieser Woche, so
wurde mit weiteren Briefen gedroht, soll das Kino gar zerstört
werden. Die Polizei ermittelt auf Hochtouren.
Die Schreiben werden sehr ernst genommen, und man habe sich
auch von der Polizei, sowie von anderen Institutionen beraten
lassen, erklärte Karl-Heinz Schmit, der Geschäftsführter des
Kino 46 in Walle bei Bremen, gegenüber dem "Weser-Kurier". In
der Woche vom 2. bis zum 8. August soll sogar ein Anschlag auf
die Räumlichkeiten des Kinos verübt werden, heisst es weiter,
sofern das Programm bis dann nicht geändert würde. Mit der
Ankündigung wolle man erreichen, dass es möglichst wenig
Verletzte unter den Kinogängern gebe, heisst es im Schreiben
weiter. Offenbar ist den Autoren die Auswahl der Filme ein Dorn
im Auge: So schreiben sie, dass im Kino nur "Filme über die
Krankheit Homosexualität und das verbrecherische Judentum"
gezeigt würden.
Dies soll sich auch nicht ändern, erklärte der Geschäftsführer
des Kinos weiter. Dem Druck wolle er nicht nachgeben: Er sehe
nicht den leisesten Hauch eines Grundes dafür, bestimmte Filme
nicht mehr zu zeigen, fügte er im Interview hinzu. Im Gegenteil:
Gerade ob dieser Drohungen sei intern auch diskutiert worden,
dass man als Reaktion auf die Warnungen mehr Filme mit
homosexuellem oder jüdischem Inhalt zeigen sollte. Man habe sich
aber entschieden, dies bleiben zu lassen um nicht das bereits
zusammengestellte Programm über Bord werfen zu müssen, und
andererseits habe man in der ersten Augustwoche schon von
vornherein einen Film vorgesehen, welcher Homosexualität zum
Thema hat.
Zuerst wollte man mit den Drohungen nicht an die Öffentlichkeit
gehen, erklärte der Kinobetreiber weiter, da man den Autoren
keine Plattform für ihre Forderungen bieten wollte. Doch seien
die Drohungen nun trotzdem bekannt geworden, und man hoffe nun
daher, dass sich mit Hilfe der Zuschauer des Kinos Hinweise über
die möglichen Täter finden. Wie der Geschäftsführer weiter
ausführte, sei es das erste Mal, dass das Kino mit derartigen
Drohungen konfrontiert werde. Er werde, und das sehe er als
Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern und seinen
Zuschauern, die ganze Woche praktisch immer persönlich im Kino
anwesend. Zusammen mit der Polizei habe man die nötigen
Schutzmassnahmen ergriffen. Er hoffe, dass auch die Kinobesucher
zahlreich erscheinen, um ihre Solidarität wirkungsvoll zu
demonstrieren. Als Dankeschön werde deshalb allen Besuchern
gratis Eintritt gewährt.
Wer die Drohbriefe verfasst hat, darüber kann die Polizei
derzeit bloss spekulieren. Ob es sich dabei um einen Einzeltäter
handle oder um eine Gruppierung, wisse man noch nicht. Es werde
in den Drohbriefen allerdings das Wort "wir" verwendet. Aufgrund
der antisemitischen Rhetorik im Brief sei eine rechtsradikale
Organisation als Urheberin möglich - doch man sei sich
diesbezüglich nicht sicher.
Wie Gundmar Köster, der Pressesprecher der Polizei Bremen, auf
Anfrage gegenüber dem "Weser-Kurier" weiter ausführte, sei man
in Bremen auch schon mit dem Problem von Homophobie konfrontiert
gewesen. Im grösseren Rahmen zuletzt vor rund zwei Jahren, als
in der Stadt das "Christival" - das christlich-konservative
Jugenfestival - stattfand. Damals kam es auch zu
Ausschreitungen, als Gegner des Festivals zur Demonstration
aufriefen, unter anderem auch deshalb, weil den Veranstaltern
des "Christival" vorgeworfen wurde, dass sie Homosexualität als
Krankheit bezeichnen würden. |