templates image

BRASILIEN: 250 Morde an Schwulen in einem Jahr
family image(22.01.11/dom) Im vergangenen Jahr wurden in Brasilien 250 Schwule aufgrund ihrer Homosexualität umgebracht, das sind 52 mehr als noch im Jahr 2009.

Die Toleranz hat zwar generell zugenommen, vor allem in den Metropolen wie São Paulo, wo zum Beispiel jährlich die weltgrösste Gay Pride mit jeweils weit über drei Millionen Teilnehmern stattfindet. So hat Brasilien auch die grösste LGBT Community von allen südamerikanischen Staaten. Doch trotzdem ziehen auch dunkle Wolken auf: Wie die von der UNESCO und der Weltbank gegründete Organisation "GGB" verlauten lies, sind in Brasilien zwischen 1980 und 2009 mindestens 3'100 Homosexuelle umgebracht worden. Hinzukommen noch 250, welche alleine im Jahr 2010 ermordet wurden. Das Erschreckende daran ist vor allem, dass die Mordrate besonders in den letzten vier Jahren sehr stark zugenommen hat, nämlich um 64 Prozent. Während man im Jahr 2007 noch 121 Fälle zählte, waren es 2008 bereits 187, 2009 waren es 198 und 2010 bereits 250. Hinzukommt, dass dies nur jene Fälle sind, bei welchen die sexuelle Identität des Opfers feststand, die Dunkelziffer dürfte sehr hoch sein.

Wie Luiz Mott, der Gründer und frühere Präsident von "GGB", in einem Interview mit dem brasilianischen Schwulenmagazin "Terra" erklärte, seien vor allem die homophoben Kampagnen der katholischen und evangelischen Kirchen im Land für die Gewalt gegen LGBTs verantwortlich. Auch mit dem in diesem Monat abgetretenen brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, geht Mott hart ins Gericht: Er habe sich vordergründig stets als schwulenfreundlich gezeigt, aber nichts wirklich bewegt und seine Rolle als Leader diesbezüglich kaum wahrgenommen. Im Jahr 2006 habe Lula mit "Brazil against Homophobia" zwar eine grossangelegte Kampagne mit Plakaten und TV-Spots gestartet, und innerhalb der UN habe er auch eine Deklaration unterschrieben, mit welcher alle Länder dazu aufgefordert werden sollen, dass Homosexualität weltweit entkriminalisiert wird, doch habe er nicht dafür gesorgt, dass das Parlament auch einige rechtliche Verbesserungen für Schwule, Lesben und Transgender einführe. Auch mit der neuen Präsidentin, Dilma Rousseff, welche soeben ihr Amt angetreten hat, wird es wohl keine Verbesserung der aktuellen Situation geben, meinte Mott weiter.