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BELGIEN: Belgien erhält ersten, schwulen Premierminister der Welt
family image(06.12.11/dom) Es war ein Rekord: Anderthalb Jahre lang war Belgien ohne Regierung – doch diese Zeit ist nun vorbei: König Albert II. ernannte am Montagabend den Sozialisten Elio Di Rupo zum neuen Premierminister. Damit bekommt Belgien den ersten schwulen Regierungschef der Neuzeit.

Der König hat mit der offiziellen Ernennung am Montagabend quasi seinen Segen gegeben, und am Dienstagnachmittag wird Premierminister Elio Di Rupo zusammen mit den zwölf Ministern, welche er ebenfalls gestern erstmals öffentlich vorstellte, vereidigt. Damit wird die derzeit nur geschäftsführende Regierung unter Yves Leterme endgültig abgelöst, doch neun Minister werden auch im neuen Kabinett mit von der Partie sein. Des Weiteren wurden auch sechs Staatssekretäre ernannt, von welchen ebenfalls bereits zwei in der geschäftsführenden Regierung vertreten waren. Mit Elio Di Rupo erhält Belgien den ersten schwulen, und den erst zweiten homosexuellen Regierungschef der Neuzeit, nach der Isländerin Jóhanna Sigurðardóttir, welche seit Februar 2009 das Amt der Premierministerin innehat.

Bereits 1994 war Elio Di Rupo Vize-Premierminister und Minister für Kommunikationsdienste und öffentliche Unternehmen in der damaligen Föderalregierung. Als Belgien 1996 von der Dutroux-Affäre erschüttert wurde, geriet auch Di Rupo in die Schlagzeilen. Er wurde von einem jungen Mann beschuldigt, dass er ihn als Minderjähriger missbraucht haben soll. Diese Vorwürfe erwiesen sich aber vor Gericht als haltlos und Di Rupo wurde freigesprochen. 1999 übernahm er das Amt des Parteipräsidenten der Parti Socialiste, und zwei Jahre später war es schliesslich, als er sich öffentlich geoutet hat. Im gleichen Jahr wurde er zudem mit dem Ehrentitel „Staatsminister“ ausgezeichnet.

Bereits im Juli 2010 wurde Elio Di Rupo von König Albert II. beauftragt, eine neue Regierung zu bilden, doch er scheiterte damit und legte daraufhin sein Mandat im September 2010 nieder. Auch danach konnte keine Einigung erzielt werden, sodass er im Mai diesen Jahres erneut mit der Regierungsbildung beauftragt wurde. Es folgten zähe Verhandlungen mit den acht Parteien, welche für die Regierung in Frage kommen und man konnte sich schliesslich auch bei den zentralen Punkten einer Staatsreform einigen. Am Montag wurde nun die neue Regierung vorgestelllt und offiziell ernannt, und am Dienstag werden Elio Di Rupo als Premierminister und seine zwölf Minister vereidigt.

In Belgien tobt seit längerem ein Sprachenstreit, und dies macht das Regieren und selbst die Regierungsbildung äusserst schwierig. So gibt es auch keine nationalen Parteien, sondern alle grossen Parteien, also die Sozialisten, die Liberalen und die Christdemokraten, sind in jeweils eine flämisch- und in eine französischsprachige Partei aufgeteilt. Daher ist es bei der Regierungsbildung nicht nur wichtig, dass die Parteien gemäss ihrer Stärke vertreten sind, sondern auch die beiden Sprachregionen. So erhält der flämisch sprechende Norden die Hälfte der Ministerposten, und der französischsprechende Süden die andere Hälfte. In der nun gebildeten Regierung konnten diese Punkte miteinbezogen werden. Die flämischen Separatisten, die Partei N-VA, wurde allerdings bei der Sitzverteilung nicht berücksichtigt, obwohl sie im Parlament die meisten Sitze hat. Diese Partei ist es, die fordert, dass sich der wirtschaftlich starke Norden Belgiens vom schwachen Süden abtrennen soll.