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AUSTRALIEN: Safe Sex-Plakate wieder abgehängt
family image(01.06.11/dom) Ein Plakat, welches zwei Männer zeigt, welche sich in den Armen halten, und welches auf die Safe Sex-Regeln aufmerksam macht, war offenbar für ein paar Bewohner der australischen Metropole Brisbane zu viel: Sie reklamierten und die Plakate wurden darauf entfernt - im Verdacht steht nun eine christliche Organisation, welche diesen Protest organisiert haben soll.

Es ist ein absolut harmloses Plakat, keine nackte Haut, nichts Provokatives oder so, doch trotzdem: Rund dreissig Bewohner von Brisbane meldeten sich bei der Stadtverwaltung, bei der Werbeagentur und bei der Plakatgesellschaft, welche die Werbeflächen zur Verfügung stellt, und sie forderten, dass die Plakate mit den beiden Männern, welche eine Kondompackung halten, wieder entfernt werden müssen. Mit der "Rip and Roll"-Kampagne wollte die "Queensland Association for Healthy Communities" auf die Safe Sex-Regeln hinweisen und unter anderem ihre Hotline und Website bekannt machen. Bei den Healthy Communities handelt es sich um Organisationen, welche notabene seit 1988 vom australischen Staat für die Präventionsarbeit finanziell unterstützt wird.

Dass die Plakate nach weniger als einer Woche wieder entfernt wurden, führte seinerseits zu weit massiveren Protesten. Über die Facebook-Gruppe "Homophobia - NOT HERE - Adshel Caves to Homophobic Pressure" haben sich innert kürzester Zeit weit über 70'000 Friends angemeldet, welche gegen das Verbot demonstrieren. Es wird auch heiss diskutiert, besonders über die Vermutung, dass die christliche Organisation "Australian Christian Lobby" (ACL) ihre Finger im Spiel hatte und ihre Mitglieder dazu aufgerufen hat, dass sie sich bei den Behörden gegen die Kampgange beschweren sollen.

Die Plakatgesellschaft "Adshel", welche unter anderem für die Stellwände bei den Bushaltestellen und an weiteren Orten zuständig ist, erklärte, dass die Plakate aufgrund einiger Beschwerden entfernt worden seien. Alle Reklamationen seien von individuellen Personen eingegangen und sie seien nicht als Mitglieder der "Australian Christian Lobby" (ACL) erkennbar. Man habe auch keine Abmachungen mit dieser Organisation, und man habe auch nie auf eine Forderung von ACL reagiert. Adshel, so heisst es in der Mitteilung weiter, stehe in einer Geschäftsbeziehung mit den Behörden von Brisbane, und daher reagiere man auch entsprechend auf Kritik aus der Bevölkerung in Bezug auf das Erscheinungsbild und den Inhalt von Plakatkampagnen und Werbung.

Seitens ACL begrüsst man den Entscheid von "Adshel" natürlich: Man wehre sich jedoch nur gegen den sexuellen Inhalt der Plakate, und nicht dagegen, dass ein schwules Paar gezeigt werde, erklärte die Geschäftsführerin der Organisation, Wendy Francis. Das Bild zeige zwei junge Schwule wie bei einer Art von Vorspiel, zudem gehe es auf dem Plakat um einen sexuellen Akt, und dass gehöre nicht in die Öffentlichkeit, erklärte sie weiter. So etwas sei auch im Fernsehen zu jenen Zeiten, bei denen Kinder TV schauen, nicht erlaubt, und so soll es auch bei den Plakatwänden sein. Dass es dabei um den sexuellen Akt geht und nicht um Schwule, das ist besonders fragwürdig, wenn die Aussage aus dem Mund von Wendy Francis kommt. So musste gerade sie sich im vergangenen Jahr öffentlich entschuldigen, da sie via Twitter einen Post verbreitete, in welchem sie die Einführung der Homo-Ehe mit Pädophilie gleichstellte. Sie war damals eine Kandidatin für "Family First" um einen Sitz im Senat.

Das Entfernen der Plakate wurde von den Auftraggebern, den Healthy Communities, massiv kritisiert. So erklärte der Geschäftsführer, Paul Martin, es sei sehr entmutigend, dass "Adshel" sich der Kritik gebeugt habe. Jene, welche sich in Queensland seit längerem im Kampf gegen HIV und Aids engagiert haben, kennen solche Reaktionen, doch sie hätten geglaubt, dass dies der Vergangenheit angehöre, und sicher nicht mehr ins Jahr 2011. ACL habe mit diesem Verhalten nur erreichen wollen, dass Schwule aus der Öffentlichkeit gestrichen werden - und das haben sie nun offenbar geschafft. Dabei wäre eine solche Kampagne gerade jetzt wichtig, denn laut den Healthy Communities war die Zahl der HIV-Neuinfektionen im Jahr 2010 noch nie höher, als seit man mit den Tests Mitte der 80er begonnen habe. 65 Prozent davon betreffen schwule Männer, heisst es weiter, und daher sei es umso wichtiger, dass man gerade diese Gruppe offen und direkt anspreche.