templates image

WELTWEIT: Weiterhin steigende Zahlen bei HIV-Neuinfektionen
family image(17.03.10/dom) Während in der Schweiz die Zahl der HIV-Neuinfizierungen bei Männern, welche mit Männern Sex haben (MSM) im vergangenen Jahr um 25 Prozent zurückgingen, so zeigt sich in Deutschland und in anderen Ländern der Welt eine andere Tendenz.

In der Schweiz sind die Neuinfizierungen im vergangenen Jahr um rund zwanzig Prozent zurückgegangen, was dem tiefsten Stand seit zehn Jahren entspricht. Am Markantesten war der Rückgang bei den Männern, die mit Männern Sex haben (MSM). Dort verringerte sich die Zahl um 25 Prozent. Dies entspricht absolut gesehen, etwa dem Stand von 2005. Es ist das erste Mal seit 2001, dass die Zahlen bei MSM wieder rückläufig waren, und diese Trendwende werde wohl so weiter laufen, erklärte das Bundesamt für Gesundheit als die Statistiken veröffentlicht wurden.

In Deutschland zeigt sich ein anderes Bild: Wie das Robert Koch-Institut in seinem "Epidemiologischen Bulletin 10/2010" über meldepflichtige Infektionskrankheiten berichtet, konnte der Anstieg bei der Risikogruppe MSM zwar gebremst werden, doch es fand trotzdem noch eine Zunahme um 3.4 Prozent statt. Doch wie die Deutsche Aids-Hilfe verlauten lässt, seien die neusten Zahlen trotzdem als Erfolg für die Präventionskampagne zu werten. Die Bereitschaft bei den schwulen Männern, sich einem HIV-Test zu unterziehen sei durch Aufklärung stark angestiegen, aus diesem Grund sei es auch zu einem Anstieg bei den gemeldeten Neudiagnosen gekommen.

Am Montag hat sich auch Michel Sidibe von UNAIDS - der Aids Organisation der Vereinten Nationen - zu Wort gemeldet. Die Neuinfizierungen weltweit habe besonders bei schwulen Männern, Drogensüchtigen und bei Prostituierten zugenommen, und dies besonders, weil sie keine Hilfe suchen können, da sie durch das Gesetz im jeweiligen Land kriminalisiert werden. Es sei inakzeptabel, dass etwa gleichgeschlechtliche Beziehungen in 85 Ländern der Welt nach wie vor verboten sind, und dass ihnen in sieben davon sogar die Todesstrafe drohe, erklärte Sidibe weiter. Durch Länder, wie etwa auch Uganda, welches die Gesetze gegen Homosexualität massiv verschärfen will, wird die Risikogruppe der MSM vollständig von der Präventionsarbeit und auch von der medizinischen Betreuung ausgeschlossen. Von China bis Kenia und Malawi gehen etwa 33 Prozent der Neuinfektionen auf die Gruppe der MSM zurück, erklärte Michel Sidibe weiter. In Nigeria, wo es rund 1'000 Neuinfektionen pro Tag (!) gibt, sind es rund dreissig Prozent, die den Risikogruppen wie Drogensüchtigen, Prostituierten oder Homosexuellen angehören. Im Vergleich dazu seien es etwa in der Karibik nur drei bis sechs Prozent, da es dort - abgesehen etwa von Jamaika - keine Gesetze gegen Homosexualität gebe.

In den USA, wo es keine Gesetze gibt, welche Homosexualität kriminalisieren, und die Bevölkerung im besonderen Masse sensibilisiert wegen Aids sei, da hier auch die ersten, bekannten Fälle aufgetaucht sind, machen die Männer, welche mit Männern Sex haben trotzdem rund fünfzig Prozent der Neuinfektionen aus. Dies liegt in einem ähnlichen Verhältnis wie in der Schweiz und im übrigen Westeuropa. Es sei wie ein Kreis, erklärte Sidibe weiter. Nach Jahren, in denen es sehr wenig Neuinfizierungen gab, sei der Anstieg nun hier wieder verstärkt. Die Sorglosigkeit und Selbstzufriedenheit sei ein Grund dafür, meinte er weiter, aber auch, dass viele Länder und Regierungen wieder vermehrt durch konservatives Denken geprägt sind.