(29.09.10/dom)
Auch im vergangenen Jahr haben wieder mehr Aids-Patienten
weltweit Zugang zu einer kombinierten Behandlung erhalten, doch
sie machen gerade mal einen Drittel aller mit dem HI-Virus
Erkrankten aus. Es besteht nach wie vor grosser Handlungsbedarf,
doch offenbar könnten in Zukunft weitere Gelder der reichen
Industriestaaten für Hilfsprojekte den grossangelegten
Sparprogrammen zum Opfer fallen.
Der Sprung ist beachtlich: Noch im Jahr 2008 wurden erst
rund 28 Prozent der Aids-Kranken mit Medikamenten behandelt, und
ein Jahr später waren es bereits 36 Prozent. In absoluten Zahlen
heisst dies, dass 2008 rund vier Millionen Menschen behandelt
wurden, und 2009 bereits 5.24 Millionen. Diese Angaben hat die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen mit dem
UN-Kinderhilfswerk UNICEF und der UN-Aidsorganisation UNAIDS in
ihrem Bericht "Towards Universal Access" in Genf veröffentlicht.
Eines der Probleme, mit welchen die Hilfsorganisationen zu
kämpfen haben, sei der Zugang zu den Risikogruppen zu finden. Da
diese in den jeweiligen Ländern oftmals kriminalisiert werden,
grenzt es manchmal an ein Ding der Unmöglichkeit etwa
Homosexuelle direkt anzusprechen. Doch es ist auch das fehlende
Geld und der Mangel an Personal, was die Unterstützung der
Aids-Kranken erschwert.
Auch die Situation der Kinder stellt sich als erschreckend dar:
Noch immer werden Tag für Tag rund 1000 Kinder während der
Schwangerschaft, der Geburt oder der Stillzeit mit dem HI-Virus
infiziert. Weltweit haben dabei derzeit nur rund 28 Prozent der
Kinder Zugang zu retroviralen Medikamenten.
Es gibt aber auch positive Entwicklungen zu vermelden: So haben
es in diesem Jahr einige Länder, darunter Kuba, Botswana,
Ruanda, Rumänien, Kroatien und Kambodscha, geschafft, dass sie
mindestens achtzig Prozent der betroffenen Bevölkerung mit
modernen Medikamenten versorgen konnten.
Die Situation könnte sich aber künftig wieder verschlimmern, da
Signale vorhanden sind, dass zahlreiche Industriestaaten ihre
Budget aufgrund von Sparprogrammen zusammenstreichen. Damit
dürften auch weniger Mittel in Hilfsprojekte für Aids-Kranke
fliessen. Vor diesen Einsparungen warnen nun zahlreiche
Organisationen, wie etwa "Ärzte ohne Grenzen". In den kommenden
Wochen wollen die Geberländer ihre Summen an einer
Geberkonferenz in New York verhandeln, die sie dem "Globalen
Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria" (GF)
zusprechen wollen. Dann wird sich weisen, in welchem Umfang sich
die UN-nahe Organisation in den Jahren 2011 bis 2013 für die
Aids-Kranken auf der Welt einsetzen kann. |